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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Page - 662 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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I. Bilder der Besatzung662 Diese Bilder dürften nicht ausdrücklich im Auftrag der Kommandantur ge- macht worden sein, sondern dienten wohl in erster Linie dem Fotografen wie den Fotografierten zur privaten Erinnerung an die gemeinsame Zeit. So trägt auch eines der Porträts eines Offiziers die (russische) Widmung: „Dem Meis- ter der Fotografie zur Erinnerung von einem russischen Offizier während des Aufenthalts im 21. Bezirk von Wien.“ Dass es sich hierbei um keine offizielle Aufnahme handelt, machen die folgenden drei Charakteristika deutlich: Der Offizier lächelt, er hat seinen Kopf beinahe anmutig zur Seite geneigt und hält seine Kopfbedeckung – eine Mütze – in der Hand. Vom engen Kontakt, den Grünanger anscheinend mit den Angehörigen der Kommandantur pflegte, zeugt auch ein Gruppenfoto strammstehender Rotarmisten vor einer Wiener Wohnanlage. Lediglich die Bildbeschriftung weist auf den privaten Zusam- menhang hin: „Besuch bei mir zuhause.“133 „Fremdbilder“ sind in diesem Album kaum vorhanden. Dies ist in erster Linie auf die spezifischen Produktionsbedingungen zurückzuführen. Schließ- lich brachte Grünangers Position als Fotograf der sowjetischen Kommandan- tur einen ungewöhnlichen Perspektivenwechsel mit sich: Als Österreicher stellte die einheimische Bevölkerung für ihn kein „exotisches“134 Motiv dar, da es sich bei diesen „Fremdbildern“ de facto um „Eigenbilder“ gehandelt hätte. Porträts österreichischer Frauen fanden nur insofern Eingang in das Al- bum, als diese im direkten Kontakt mit den Mitarbeitern der Kommandantur standen. Fotos von Kindern wurden ebenfalls ausschließlich im Zusammen- hang mit den Besatzungssoldaten geschossen, wie etwa die Aufnahme „Der Kinderfreund“, auf der ein Offizier mit sechs Kindern auf einer Gartenbank zu sehen ist.135 Auch in diesem Fall weisen die Bilder stärker auf das Bewusst- sein und die Mentalität des Abbildenden als auf die Realität der Abgebildeten hin.136 2.2.3 Inszenierter Dank: Abzug aus Österreich Eine ungleich offiziellere Perspektive liefert das von der Politischen Abtei- lung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte angelegte Album „Abzug der sowjetischen Truppen aus Österreich August bis September 1955“. Die „Fo- todokumente“, wie der Untertitel lautet, wurden vom Fotokorrespondenten der Zeitung „Za čest’ Rodiny“, Oberleutnant K. Kuličenko, angefertigt. Ob 133 Ebd. 134 Zu den „folkloristischen“ oder „exotischen“ Motiven, die Wehrmachtssoldaten an der Ostfront fo- tografierten, vgl. Schmiegelt, „Macht Euch um mich keine Sorgen …“, S. 28f. 135 AdBIK, Sammlung Grünanger, Fotoalbum. 136 Jahn, Bilder im Kopf, S. 12.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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