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II. Medium der
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ist dabei ebenso relevant wie die Frage, welche Deutungsmuster des Frem-
den und des Eigenen sich herauskristallisierten.
1.1 Redaktion und Produktion
„Za čest’ Rodiny“ hatte bereits während des Krieges – zunächst als Zeitung
der 20. Armee unter General Andrej Vlasov, dann als Frontzeitung – exis-
tiert.4 Nach Kriegsende erschien sie unter der – über zehn Jahre hindurch
unveränderten – Losung „Za našu Sovetskuju Rodinu!“ („Für unsere sow-
jetische Heimat!“) als russischsprachige „Tageszeitung der Roten Armee“ in
Österreich, zunächst mit einem Umfang von vier Seiten. Im Oktober 1945 be-
schloss das Sekretariat des ZK der VKP(b), der GlavPURKKA zu gestatten,
die Zeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte auf acht Seiten im Format
von 63 mal 47 cm zu drucken, wodurch sie den gleichen Umfang aufwies
wie die Zeitung der Nördlichen Gruppe der Streitkräfte „Znamja pobedy“
(„Siegesfahne“). Hingegen umfassten die Zeitungen der sowjetischen Besat-
zungstruppen in Deutschland „Krasnaja Armija“ („Rote Armee“) und der
Südlichen Gruppe der Streitkräfte „Sovetskij vojn“ („Sowjetischer Soldat“)
lediglich vier Seiten, hatten aber mit 60 mal 84 cm ein doppelt so großes For-
mat.5
Das Ziel dieser Maßnahme bestand ausdrücklich darin, mit der Quanti-
tät der Berichterstattung zugleich auch die Qualität der Zeitungen für die
im Ausland stationierten Heeresgruppen bzw. Armeen zu steigern und „die
Rolle der Zeitungen in der militärischen und politischen Bildung der Armee-
angehörigen“ zu stärken. Als Ansporn sollte wohl auch die Festlegung des
Honorars auf 3500 Rubel für jede Ausgabe von Zeitungen der Gruppen der
Streitkräfte bzw. auf 1500 Rubel für Armeezeitungen dienen. Zusätzliche
Kosten, die fortan durch die Erhöhung der Auflagen und des Umfangs anfie-
len, gingen zulasten der GlavPURRKA.6
Aufgrund des bevorstehenden Abzugs der Truppen aus Österreich wur-
de der Umfang von „Za čest’ Rodiny“ per 16. August 1955 erneut auf vier
Seiten reduziert,7 ehe die Produktion in Wien wenig später gänzlich einge-
4 Boris Voroncov, Elektronische Nachricht an Barbara Stelzl-Marx. 7.4.2009. Ich danke Herrn Dr. Bo-
ris Voroncov, Moskau, herzlich für seine Recherchen zu diesem Thema im CAMO.
5 RGASPI, F. 17, op. 116, d. 237, S. 81, Beschluss Nr. 237 (331) des Sekretariats des ZK der VKP(b),
Über die Formate und Auflagenhöhe der Zeitungen der sich im Ausland befindlichen Heeresgrup-
pen und Armeen, 22.10.1945. Ich danke Frau Dr. Karina Dmitrova, Moskau, herzlich für ihre Unter-
stützung bei den Recherchen zu „Za čest’ Rodiny“.
6 Ebd.
7 Ot redakcii, in: Za čest’ Rodiny, 16.8.1955, S. 4.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918