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1. Die Armeezeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte 673
stellt wurde. Mit Befehl der Politischen Hauptverwaltung vom 10. September
1955 wurde ihre Bezeichnung vorübergehend auf das von der Militärbasis in
Kronstadt herausgegebene Blatt übertragen, das bis dahin „Stalinskoe Znam-
ja“ („Stalin-Fahne“) geheißen hatte und das ab 1956 als „Kronštadtsksaja Pra-
vda“ („Kronstadt-Wahrheit“) erscheinen sollte.8
„Za čest’ Rodiny“ entwickelte sich unter den in Österreich stationierten
sowjetischen Besatzungssoldaten zu einer äußerst beliebten Tageszeitung.9
Bei einer Überprüfung der parteipolitischen Arbeit in einem der Korps im
August 1945 wurde sogar kritisiert, viele Kommunisten würden außer die-
sem Blatt und „Krasnoe Znamja“ („Rote Fahne“) nichts lesen, und in die-
sen auch nur Artikel über Vorfälle außerhalb der Sowjetunion.10 Unter den
NKVD-Truppen erhielt ebenfalls jede Kompanie neben der „Pravda“ die Zei-
tung der CGV „Za čest’ Rodiny“, einige darüber hinaus auch die „Izvestija“.11
Als vor wenigen Jahren das Palais Epstein, der ehemalige Sitz der sowjeti-
schen Stadtkommandantur von Wien, generalsaniert wurde, fand man unter
den Fensterstöcken mehrere Exemplare von „Za čest’ Rodiny“, die den Ange-
hörigen der sowjetischen Stadtkommandantur in Wien als Isoliermaterial ge-
dient hatten. Dieser Umstand lässt ebenfalls auf die weite Verbreitung dieses
Blattes unter den sowjetischen Besatzungssoldaten in Österreich schließen.
Die Redaktion und Druckerei von „Za čest’ Rodiny“, die während des
Krieges die zentrale Zeitung der 1. Ukrainischen Front gewesen war und
nach Kriegsende „gleichsam automatisch“ die wichtigste Zeitung der CGV
wurde,12 befanden sich im Gebäude der Rotationsdruckerei Wien 1, Am
Fleischmarkt 3–5.13 Diese Rotationsdruckerei, eine der größten Druckereien
Österreichs, wurde 1945 an die kommunistische Globus Zeitungs-, Druck-
und Verlagsanstalt GmbH verpachtet. Somit waren hier ab August 1945
unter anderem auch die Redaktion und Produktion der „Österreichischen
Zeitung“ untergebracht.14 Als Adresse der Redaktion wurde in der Zeitung
8 Voroncov, Elektronische Nachricht.
9 OHI, Isaev. Durchgeführt von Stelzl-Marx.
10 CAMO, F. 894, op. 1, d. 145, S. 13–22, hier: S. 16, Bericht des stv. Leiters der Politabteilung des 31.
Garde-Schützenkorps, Garde-Oberstleutnant Gorlik, an den Leiter der Politabteilung des 31. Garde-
Schützenkorps, Garde-Oberst Novikov, über die Überprüfung der parteipolitischen Arbeit durch
die Politabteilung des Korps, 11.8.1945.
11 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 63, S. 113–128, hier: S. 128, Bericht des Kommandeurs des 40. Schützen-
regiments, Oberstleutnant Chorošev, und des stv. Leiters der Politabteilung, Hauptmann Čuchin,
an den Leiter der Politabteilung der 66. NKVD-Schützendivision, Oberst Tamrasov, über den po-
litisch-moralischen Zustand, die militärische Disziplin und parteipolitische Arbeit im 3. Quartal
1945, 23.9.1945.
12 OHI, Michail Alekseev. Durchgeführt von Barbara Stelzl-Marx. Peredelkino 18.6.2006.
13 OHI, Isaev. Durchgeführt von Bakši.
14 Mueller, Österreichische Zeitung und Russische Stunde, S. 94.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918