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1. Die Armeezeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte 675
schen“ eingeschätzt. Der Todesstrafe, so seine Vermutung, sei er nur dank
des Hinweises seines Freundes Borzunov und des Einsatzes des stellvertre-
tenden Chefredakteurs Žitkov entgangen, der zugleich der Sekretär der Par-
teiorganisation war.21
„Za čest’ Rodiny“ brachte nicht nur nationale und internationale Nach-
richten, sondern bot auch Raum für Gedichte, Erzählungen und Karikaturen,
etwa von der berühmten sowjetischen Karikaturistengruppe „Kukryniksy“.22
Auf der letzten Seite wurden meist Kreuzworträtsel, Informationen über Ver-
anstaltungen im „Haus der Offiziere“, Erklärungen von Fremdwörtern und
Programme von Moskauer Radiosendungen gebracht. Mehrere Erzählungen
des ehemaligen „Politruks“ Alekseev erschienen sowohl in dieser Zeitung
der CGV als auch – in deutscher Übersetzung – in der von der Roten Armee
für die österreichische Bevölkerung herausgegebenen „Österreichischen Zei-
tung“. Sein Honorar erhielt er „in Schilling und Groschen“. Dies war für ihn
insofern besonders wichtig, als im Mai 1945 seine Tochter Nataša in Öster-
reich auf die Welt kam und er dringend Geld benötigte. Insgesamt arbeitete
er sechs Jahre bei „Za čest’ Rodiny“.23
1.2 Zielsetzung und Terminologie
Die Tageszeitung „Za čest’ Rodiny“ verfolgte ein dreifaches Anliegen. Ein
Hauptmotiv bestand zweifelsohne darin, den in Österreich und Ungarn sta-
tionierten sowjetischen Armeeangehörigen Nachrichten über wichtige Ereig-
21 OHI, Alekseev.
22 Vgl. etwa: Za čest’ Rodiny, 17.5.1952, S. 3.
23 OHI, Michail Alekseev. Durchgeführt von Natal’ja Bakši. Peredelkino 27.11.2002.
Abb. 112: Chefredakteur
Semen Žukov und Michail
Alekseev (v. l. n. r.) während
eines Ausflugs an der Donau
1947. Der später in der Sow-
jetunion anerkannte Prosai-
ker Alekseev schrieb während
der Besatzungszeit für die
Zeitung der Zentralen Grup-
pe der Streitkräfte „Za čest’
Rodiny“ – „Für die Ehre der
Heimat“. (Quelle: AdBIK,
Sammlung Alekseev)
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918