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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Page - 683 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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1. Die Armeezeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte 683 seien hier von den Deutschen, „die Österreich besetzt und den Krieg mit dem sowjetischen Russland begonnen hatten“, zur Zwangsarbeit eingesetzt worden: „Die Erdölfelder wurden mit der Sklavenarbeit unserer Leute gebaut. Am Fuße eines der Türme wurde eingekratzt: ‚Hier arbeiteten und sterben wahrschein- lich in der Sklaverei Nikolaj Koval’ und Aleksej Rjabenko. Die Arbeit unserer Menschen liegt in dieser, von den Deutschen gekauften Erde. Das Blut unserer Soldaten, die im Kampf dieses Gebiet befreiten, [tränkte diesen Boden]. Jetzt stehen unsere Ingenieure vor der Aufgabe, die Erdölgewinnung wieder instand zu setzen, sie zu neuem Leben zu erwecken.“60 Die Artikel stilisieren die sowjetische Hegemonie im Erdölgebiet zur Er- richtung eines „neuen Zistersdorf“, eines „neuen Österreich der arbeitsamen Menschen, nicht der Spekulanten“. Sowjetische Ingenieure, die „bei uns in den Maßstäben des ganzen Landes denken“, würden den Österreichern neue Technologien beibringen und besonderes Augenmerk auf das Wohlergehen der Arbeiterschaft legen. Als kritikwürdig erschien etwa die Lage des Chemi- kers Franz Čapo, der als Nichtortsansässiger keine adäquate Wohnung fin- den konnte, sondern in einer Arbeiterbaracke wohnte. Dieses Beispiel solle dazu dienen, hieß es weiter, die Schwierigkeiten im „Kampf um ein neues Österreich“ aufzuzeigen, doch würden ungeachtet dessen die „Kräfte des Neuen mit jedem Tag wachsen“.61 Als besondere Errungenschaft wurde der Abschluss eines neuen Vertrages zwischen der SMV und der Gewerkschaft hochstilisiert, denn etwas Vergleich- bares hätte es in der Geschichte der Arbeiterklasse Österreichs, in der „langen und denkwürdigen Geschichte des Kampfes um bessere Lebensbedingungen“, noch nicht gegeben: „Während in Europa gerade der Kampf darum herrscht, dass die Löhne um 20–30 Prozent angehoben werden, wurden die Löhne für die Arbeiter auf den Erdölfeldern um 70–80 Prozent erhöht.“ Dieser neue Geist werde auch weiterhin wehen, selbst wenn dies den „Liebhabern des ‚Alten‘, den Spekulanten, Nichtstuern und ihren Advokaten nicht gefällt“.62 Von Protesten der österreichischen Seite ist hier allerdings keine Rede. Vielmehr wird auf die zahlreichen Errungenschaften hingewiesen, welche die sowjetische Verwaltung mit sich gebracht habe. „Hier, am Ufer der Do- nau, zeigten die sowjetischen Erdölarbeiter ihr wahres Können und das Aus- maß des sowjetischen technischen Wissens“,63 heißt es in einem weiteren Bei- trag in „Za čest’ Rodiny“. Ironie sollte dabei nicht mitschwingen. 60 Ebd. 61 A. Šarov, Pis’ma ob Avstrii. V Cistersdorfe, in: Za čest’ Rodiny, 16.8.1946, S. 5. 62 A. Šarov, Pis’ma ob Avstrii. V Cistersdorfe, in: Za čest’ Rodiny, 21.8.1946, S. 6. 63 A. Razgon, Sovetskie nefjaniki na Dunae, in: Za čest’ Rodiny, 14.12.1946, S. 8.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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