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1. Die Armeezeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte 687
de und feindliche Lebensweise“ die Gefahr „politisch-ideologischer Diver-
sion“ in sich barg und wie verlockend die „bourgeoise Wirklichkeit“ sein
konnte. Die Zeitung der CGV „Za čest’ Rodiny“ versuchte, dieser Bedrohung
durch ihre Berichterstattung und durch eine plakative Polarisierung des ver-
mittelten Wertesystems gegenzusteuern.85
1.5 Vermittlung ausgewählter Werte
Neben der gezielten Propagierung von Feindbildern bestand eine weitere
Funktion der Zeitung darin, den Besatzungssoldaten die „richtigen“ Werte
und ein Verhalten, das „der Heimat zur Ehre gereichte“, näherzubringen.
Breiter Raum wurde somit sportlichen Aktivitäten, Schachturnieren, Ausflü-
gen in den Wienerwald, Veranstaltungen vom „Haus der Offiziere“ und an-
deren Varianten einer „sinnvollen“ Freizeitgestaltung eingeräumt.86
Diese Berichterstattung erfolgte vor dem Hintergrund der politisch-mora-
lischen Schulung und der – erwünschten – Steigerung der Disziplin unter den
Armeeangehörigen. Laufend erschienen Stalin-Zitate auf der Titelseite von
„Za čest’ Rodiny“, welche die Grundlinie des Verhaltens vorgaben: „Die Rote
Armee ist die erstklassigste Armee unserer Zeit, die die modernste Ausrüs-
tung, das erfahrenste Kommando und eine hohe moralisch-militärische Qua-
lität besitzt.“87 Im Mai 1945 erschien etwa die charakteristische Losung: „Un-
ermüdlich muss die militärische Ausbildung vollendet und die Disziplin, die
Ordnung und Organisiertheit in der ganzen Roten Armee gestärkt werden.“88
In diesem Zusammenhang widmeten sich zahlreiche Artikel der „weiteren
Stärkung“ der Armee, wobei man als „Hauptaufgabe“ die „Aufrechterhal-
tung von Disziplin und Ordnung“ sah.89 Selbst Mitte 1955 ging der Beitrag
„So sollte jede unserer Kasernen sein“ noch penibel auf die unterschiedlichen
Aspekte des Militärdienstes ein: „In dieser Einheit werden Schulung und Er-
ziehung des Personalstandes erfolgreich durchgeführt, was eine strenge inne-
re Ordnung gewährleistet. […] Das erlaubt den Soldaten, erfolgreich die mili-
tärische Ausbildung zu absolvieren und die Kampfbereitschaft der Einheit zu
steigern“, hieß es abschließend geradezu euphorisch.90
Zudem lieferte die CGV-Zeitung konkrete Anleitungen, wie die entspre-
chende Erziehung in den Einheiten im Idealfall zu erfolgen hatte. Als Vorlage
85 Siehe dazu auch das Kapitel B.I.1.1 „Kapitalismus und Kulturschock“ in diesem Band.
86 Siehe dazu auch das Kapitel B.III.2 „Freizeit, Erholung, Urlaub“ in diesem Band.
87 I. Stalin, Krasnaja Armija javljaetsja pervoknassnoj armiej, in: Za čest’ Rodiny, 22.2.1946, S. 1.
88 I. Stalin, Neustanno svoeršenstvovat’ boevuju vyučku, in: Za čest’ Rodiny, 24.5.1945, S. 2.
89 Programma dal’nejščego ukrpelenija našej armii, in: Za čest’ Rodiny, 24.2.1946, S. 1.
90 R. Grigor’janc, Takoj dolžna byt’ každaja naša kazarma!, in: Za čest’ Rodiny, 29.7.1955, S. 7.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918