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Nach 1918
Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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III. Formen der Erinnerung698 In der Sowjetunion selbst wurden zunächst im Gebiet der ehemaligen Kampfhandlungen schlichte Gedenksteine, Denkmäler und Ehrenmale für die Gefallenen errichtet. Allein im europäischen Teil der Russischen Föderati- on waren es rund 27.000. Diese überwiegend an Grabstätten und auf Kriegs- friedhöfen angebrachten Obelisken, Gedenktafeln und Grabstelen wurden meist ohne größeren Aufwand angelegt. Lediglich für prominente Kriegs- teilnehmer gestaltete man Büsten oder Standfiguren aus Bronze auf einem granitenen Sockel, die zur Gattung der konventionellen Grab- und Memori- alskulptur gehören.25 In praktisch allen Orten und Städten der Sowjetunion wurden Soldatendenkmäler aus Bronze oder Stein errichtet, die auf eine Sak- ralisierung des Sieges verweisen.26 Mit dem 20. Jahrestag des Kriegsendes setzte zudem die Phase kolossaler Mahnmale und Kurgane, der künstlichen Memorialhügel, ein, die vor allem ein Ausdruck des Triumphs über den Feind und des kollektiven Heldentums sind und zugleich das Gedächtnis an die Opfer verewigen sollten. Durch die Errichtung von Gedenkorten unter der Losung „Sieg des sowjetischen Volkes im Großen Vaterländischen Krieg“ konstituierte sich das „mächtige quasi- kollektive Veteranengedächtnis“.27 Diese Monumentalisierung und Symbo- lisierung der Kriegserinnerung ist einerseits auf den Willen der Partei, ihre Führungsrolle durch die Erinnerung an den Sieg zu legitimieren und zu fes- tigen, andererseits auf die Angst der Veteranen, ihre Leistungen würden in Vergessenheit geraten, zurückzuführen. Im Vordergrund stehen daher Sym- bole von Tapferkeit und Siegeswillen, die der Tradition des monumentalen stalinistischen Stils verhaftet sind.28 Das wohl pompöseste unter den Denkmalensembles entstand in den Jah- ren 1963 bis 1967 in Wolgograd auf dem Mamaev-Hügel („Mamaev Kur- gan“), der während der Schlacht um Stalingrad unter dem Namen „Höhe 102“ zu einem strategisch äußerst wichtigen Punkt geworden war. Dieser Kontemplationsort, an dem sich Natur, Skulptur und Architektur vereinigen und der zur aufsteigenden Prozession auffordert, lädt zu mehrtägigen Pilger- fahrten bzw. einem richtiggehenden Memorialtourismus ein.29 Die Gedenk- stätte besteht aus einem Park und einem durch Treppen und Terrassen in sie- ben Plätze gegliederten Komplex, auf denen 13 verschiedene, aus Plastiken, 25 Frank Kämpfer, Vom Massengrab zum Heroen-Hügel. Akkulturationsfunktionen sowjetischer Kriegsdenkmäler, in: Reinhart Koselleck – Michael Jeismann (Hg.), Der politische Totenkult: Krie- gerdenkmäler in der Moderne. München 1994, S. 327–350, hier: S. 331f.; Jahn, Triumph und Trauma, S. 106. 26 Frau Dr. Ol’ga Pavlenko, Moskau, danke ich herzlich für diesen Hinweis. 27 Scherbakowa, Zerrissene Erinnerung, S. 35. 28 Ebd., Jahn, Triumph und Trauma, S. 102–105. 29 Kämpfer, Vom Massengrab zum Heroen-Hügel, S. 334.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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