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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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1. Institutionalisierte Erinnerung im Wandel 701 auch im Bereich der Musealisierung äußert. In Moskau wurde lediglich ein bescheidenes Museum eingerichtet, das sich dem Kriegsende in Österreich widmete. Als „Museum der 4. Garde-Armee“ zeichnete es den militärischen Vormarsch der Armee von Stalingrad nach Wien nach, wobei in mehreren Vitrinen Fotos von einzelnen Armeeangehörigen und Kampfszenen, Befehle, Karten, Propagandaplakate, militärische Ausrüstungsgegenstände, Orden und andere Kriegsreliquien ausgestellt waren. Ein zweiter Raum widmete sich den weiteren Biografien einiger der Veteranen, allen voran von Dmitrij Šepilov, der als ehemaliges Mitglied des Militärrates der 4. Garde-Armee und späterer Außenminister gleichsam zum „Aushängeschild“ der Veteranen avancierte. Šepilov war auch unter anderem mit dem ehemaligen Leiter für Spionage des Stabs der Armee und späteren Chef des Veteranenverbandes, Generalmajor Timofej Voroncov, für die Einrichtung des Museums verant- wortlich gewesen.35 Das 1975 im oberen Stockwerk der Technischen Fachschule Nr. 148 der Automobilfabrik „Moskvič“ eröffnete Museum bot in erster Linie den Vetera- nen der 4. Garde-Armee die Möglichkeit, ihre Erinnerungen an die Front, das Kriegsende und ihre Erlebnisse im befreiten Österreich wachzuhalten und Freundschaften aus dieser Zeit zu pflegen. Sie trafen sich hier etwa anlässlich großer Feiertage wie des „Tags des Sieges“ oder des 13. April als Jahrestag der „Einnahme Wiens“ und feierten an einer improvisierten Festtafel im Vor- raum des Museums. Ein Abstellraum fungierte als Archiv jener Erinnerungs- stücke, die keinen Eingang in die Ausstellung gefunden hatten. 2006 musste das Museum wegen der Schließung der Fachschule geräumt werden. Boris Voroncov, der Sohn eines verstorbenen Gründungsmitglieds, übernahm einen Teil der Exponate und eröffnete auf eigene Initiative ein kleines Museum in den Räumlichkeiten einer Schule im Bezirk Jasenevo im Norden Moskaus. Das Ziel des Arztes bestand darin, die Erinnerung an die 4. Garde-Armee wachzuhalten und das Museum vor der Auflösung zu be- wahren. Der Schwerpunkt des „Museums des militärischen Ruhms der 4. Garde-Armee ‚Von Stalingrad nach Wien‘“ liegt gleichfalls auf den militäri- schen Ereignissen, der Schlacht um Wien und auf einzelnen Militärangehöri- gen. Mehrere Exponate widmen sich der Errichtung des Denkmals auf dem Wiener Schwarzenbergplatz, das primär auf Šepilovs Initiative zurückgeht.36 Die Gruppe der Veteranen, die sich aus eigener Erfahrung an den Krieg als immense Katastrophe wie auch als triumphale Selbstbehauptung erinnern 35 Ich danke herzlich Frau Valentina Kurilina, Moskau, die mich mehrmals in das Museum einlud. 36 Boris Voroncov, Elektronische Nachricht an Barbara Stelzl-Marx. 11.8.2009. Ich danke herzlich Dr. Boris Voroncov, Moskau, für die Führung durch das neu eröffnete Museum.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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