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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Page - 717 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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2. Mündlich wiedergegebene Erinnerung: Topoi und Tabus 717 ben entsprochen hätte. Zudem verweist er auf seinen nicht ganz nüchternen Zustand, der sein damaliges Verhalten zusätzlich relativieren soll: „Wir nächtigten in einem Haus, dort war ein Mädchen, Katica, eine Slowenin. Sie war zu Gast bei ihrer Tante. Wir tranken ein bisschen, ich sage: ‚Willst du mich heiraten?‘ Sie sagt: ‚Ja!‘ Aber das waren Slawen, wie Brüder.“89 Anschließend kommt er auf die aus seiner Sicht beinahe unwiderstehliche At- traktivität der sowjetischen Offiziere zu sprechen: „Natürlich gab es solche Fälle, Liebesbeziehungen, und die Frauen, Ehe- frauen, weinten sehr, als sie wegfuhren und sagten: ‚Ich fahre mit Ivan mit.‘ Nun, bildlich gesprochen. Unsere Männer gefie- len sehr. Nun, unsere Männer sind zärtlich, gut, sie sind nicht aggressiv. Ausländerin- nen sind bis heute über die russische Seele erstaunt. […] Insgesamt waren die Bezie- hungen freundlich, darunter auch jene der Frauen zu unseren Burschen. Das muss man nicht verheimlichen. Wir glauben nicht … Auch die Männer waren uns gegenüber nicht feindlich eingestellt.“90 Einige der interviewten Frauen beziehen sich ebenfalls auf Liebesbezie- hungen, allerdings nicht mit Österreichern, sondern mit sowjetischen Militär- angehörigen. So ist für Varvara Ignatova, 1919 im Gebiet Smolensk geboren, die Erinnerung an Österreich mit romantischen Gefühlen verbunden. Hier entschloss sie sich – „zum Glück“, wie sie betont –, Major Kozinec zu heira- ten: „Mir blieben natürlich kolossale Eindrücke. Österreich hinterließ in mir eine tiefe Spur für mein ganzes Leben. Ich entschloss mich dort, die Frau von Major Kozinec zu werden, mit dem ich lange lebte, was ich nicht bedauere. Wir verbrachten 55 Jahre und einen Monat zusammen.“91 Für Ignatova, die ab 1941 als Buchhalterin im Handelsbetrieb zur Versor- gung der Streitkräfte („voentorg“) diente, symbolisiert ihre Zeit in Österreich den Beginn einer langen, glücklichen Beziehung. Im Gegensatz zu den männ- 89 Ebd. 90 Ebd. 91 OHI, Varvara Ignatova. Durchgeführt von Natal’ja Bakši. Moskau 1.12.2002. Abb. 121: Die beiden Angehörigen der sowjetischen Besatzungsmacht beschlossen, in Österreich zu heiraten. (Quelle: AdBIK, Sammlung Kozinec)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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