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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Page - 736 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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III. Formen der Erinnerung736 namen konkreter Personen fehlen, die Sujets weisen einen mythologisieren- den Charakter auf, und kein einziges Mal wird eine persönliche Beteiligung an derartigen Taten auch nur angedeutet.161 Manche geben zwar zu, dass Ex- zesse vorkamen, verweisen allerdings sofort auf die harten Strafen: „Es gab sie, gab sie. Aber das wurde streng geahndet. Unser Kommando verlangte von uns, weder zu marodieren noch zu vergewaltigen, um die örtliche Bevöl- kerung nicht zu beleidigen.“162 Andere, wie etwa Fadin, negieren Übergriffe durch sowjetische Solda- ten gänzlich: „Gott behüte, dass es dort Vergewaltigungen gegeben hätte, Gott behüte! […] Ich habe davon nichts gehört. Nein, ich würde es wissen! So etwas gab es nicht! Deshalb wurden wir auch so empfangen vor, wie mir scheint, 50 Jahren in Wien. Ich weiß, dass man uns auch jetzt gerne empfängt. Daran gibt es keinen Zweifel, keinen Zweifel.“163 Auch Anatolij Kolganov schließt derartige Vorfälle kategorisch aus: „Es gab keine Vergewaltigungen. Für Vergewaltigungen, Marodieren gab es den Befehl, [den Schuldigen] an Ort und Stelle zu erschießen.“164 In ähnlicher Weise betont Vladilen Daniločkin, niemals Vergewaltigungen beobachtet zu haben, was er vor allem auf die strenge Disziplin zurückführt: „Ich persönlich kann mich an solche Fälle nicht erinnern, Derartiges beobach- tete ich nicht. Außerdem hörte ich auch von meinen Genossen nichts derglei- chen.“ Daraufhin führt der Veteran an, sich jedoch an einen Fall erinnern zu können, bei dem mehrere Kameraden in die Berge gegangen seien, wo sie ei- nen Bewohner überfallen und getötet hätten. Sie seien allerdings gefasst, ver- urteilt und zur Strafverbüßung in die Sowjetunion transportiert worden. Nach- dem er auf diese Weise sein gutes Gedächtnis bewies, folgt ein Verweis auf die Disziplin in den Truppen: „Niemand, niemand verstieß gegen die Militärdis- ziplin. Wir waren im Kriegszustand, wir fühlten uns als Militärangehörige wie im Krieg und deswegen konnte es einfach derartige Fälle nicht geben.“165 Auch weibliche Interviewpartnerinnen heben hervor, dass es in Österreich – im Gegensatz zu Ungarn – nur zu wenigen bis gar keinen Fällen von Ver- gewaltigung gekommen sei: „In Ungarn, in Ungarn gab es einen Fall. Nun, es gab einzelne Gerichtsprozesse. Daran war ich beteiligt. […] Aber in Öster- reich gab es das nicht. Ich sage, dass das nur eine kurze Zeit war und prak- tisch schon vor dem Kriegsende“,166 meint etwa Elena Evtichieva. 161 Bezborodov – Pavlenko, Erinnerungen an Österreich, S. 402. 162 OHI, Golyšev. 163 OHI, Fadin. 164 OHI, Kolganov. 165 OHI, Daniločkin. 166 OHI, Evtichieva.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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