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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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III. Formen der Erinnerung750 ler auf, doch verwendet er die Gespräche mit seinem Dolmetscher Jan Čepik oder seinem Vorgänger als „Zampolit“ Ivan Aleksandrovič Perervin dazu, dem Leser von zentralen Ereignissen vor seiner Ankunft in Wien zu berich- ten. Obwohl der Autor nicht selbst dabei war, erweckt er durch die rekons- truierten Repliken seiner Gesprächspartner den Anschein der Authentizität. Damit gelingt es ihm, die heroischen Kampfhandlungen der Roten Armee, die „sinnlose“229 amerikanische Bombardierung Wiener Arbeiterwohnsied- lungen und Denkmäler oder die Zerstörungen der Donaubrücken durch die „Faschisten“ ebenso zu integrieren wie die Angelobung der provisorischen Regierung Renner oder die Ernennung von Theodor Körner, diesem „wun- derbaren Alten“.230 Das Buch gliedert sich in die vier großen Kapitel: „Im befreiten Wien“, „Die Stadt erhebt sich aus den Ruinen“, „Unerwartete Gäste“ und „Wir sind dei- ne Freunde, Österreich!“, die wiederum jeweils rund ein Dutzend Unterka- pitel umfassen. Jedes der Unterkapitel widmet sich einem Hauptthema, das durch die Beobachtungen des Autors selbst oder die besagten Erzählungen vermittelt wird. Dabei folgen auf ein, zwei Unterkapitel, die ein positives Bild der sow jetischen Leistungen oder der österreichischen „Freunde“ zeichnen, ein oder zwei Unterkapitel mit Feindbildern. Zu den negativ porträtierten Gruppen zählen – abgesehen von den Nationalsozialisten – vor allem allzu geschäftstüchtige Österreicher, katholische Priester und Angehörige der US- Armee. Die Welt in „Venskie vstreči“ gliedert sich unmissverständlich in zwei Lager, deren Schwarz-Weiß-Zeichnung keinerlei Grauschattierungen zulässt. 3.2.1 „Eine andere, uns fremde Welt“ Zu Beginn vermittelt Savenok den Eindruck, nur sehr ungern nach Wien ge- fahren zu sein. „Ich nähere mich mit einem schweren Gefühl Wien. Sogar mit einer gewissen Feindseligkeit gegenüber der fremden Stadt, als ob sie schuld wäre, dass ich meine Familie lange nicht sehe.“231 Verstärkt wird diese Einstel- lung noch durch die Beschreibung seines russischen Chauffeurs Sergej, der sich über die deutsch sprechenden Österreicher ärgert. „Ich weiß: Sergej hängt es auch zum Hals hinaus, im Ausland zu sein, er träumt von seinem ruhigen Ostaškov, vom freien Plätschern des Seligers, von den unzähligen Inseln, vom dichten, hohen Schilf, […] – und jetzt liegt ihm das alles rundherum nicht.“232 229 Savenok, Venskie vstreči, S. 322. 230 Ebd., S. 75. 231 Ebd., S. 12. 232 Ebd., S. 13.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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