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III. Formen der
Erinnerung760
eine Entscheidung unseres Volks, unserer Partei, unserer Regierung. […] Je-
der Fehler, hundertfach aufgebauscht, wird sofort vom Feind verwendet.“272
Später kommt er nochmals auf den Verhaltenskodex sowjetischer Menschen
im Ausland zurück, indem er Perervin die Charakterstärken der Stadtkom-
mandanten Blagodatov und Lebedenko erklären lässt: „Das ist jene Selbst-
beherrschung, die durch die Jahrzehnte in der Armee erzogen wurde, die
Parteilichkeit, die durch sie [die Militärkommandanten] unbefleckt vom Bür-
gerkrieg bis in dieses Kabinett auf der Ringstraße getragen wurde, ihre durch
nichts und niemals erschütterte Prinzipientreue. […] Und wenn du fühlst,
dass du das nicht hast – […] geh fort, ohne die Ehre deines Landes befleckt zu
haben!“273
Mithilfe von Čepiks Schilderungen vermittelt der Autor die harten Kämp-
fe in Wien und verweist fälschlicherweise darauf, dass „eine faschistische
Bombe in den Stephansdom fiel. Der Dom brennt.“274 Er erwähnt Tolbuchins
Aufruf an die Truppen der 3. Ukrainischen Front, nicht die Bevölkerung zu
beleidigen und durch ihr Benehmen überall Achtung hervorzurufen,275 dem
die sowjetischen Militärangehörigen, so die Botschaft zwischen den Zeilen,
natürlich entsprachen. Der Aufruf Nr. 1 an die Bevölkerung Österreichs wird
zur Gänze zitiert.276 Die Dankbarkeit der Bevölkerung für die Befreiung vom
Faschismus kommt durch die in mehreren Sprachen angeführten Rufe „Es
lebe die Rote Armee!“, die Erwähnung überreichter Blumen oder durch Su-
jets wie Walzertanzen und Jodeln zum Ausdruck.277
Mehrfach führt Savenok die Hilfe an, die die Sowjets Österreich angedei-
hen ließen. Schon beim Sturm auf Wien hätten die Truppen primär daran
gedacht, wie der Stadt „möglichst wenig Zerstörung zugefügt werden könn-
te: als ob vor mir nicht das österreichische Wien, sondern eine Heimatstadt
wäre“.278 Dem Wiederaufbau der Wiener Staatsoper ist ein ganzes Unterkapi-
tel gewidmet.279 Außerdem habe die Sowjetunion dem österreichischen Volk
ab April 1945 „70.000 Tonnen Getreide und Mehl, 17.000 Tonnen Erbsen,
mehr als 6000 Tonnen Zucker und andere Lebensmittel“ gespendet. Einhei-
ten der Roten Armee entschärften Minen in der Donau, sie brachten Trans-
portwege in Ordnung; das sowjetische Kommando unterstützte die provi-
272 Ebd., S. 29.
273 Ebd., S. 72.
274 Ebd., S. 20.
275 Ebd., S. 18. Siehe dazu auch das Kapitel A.II.1.3.1 „Unterschied zwischen Österreichern und deut-
schen Besatzern“ in diesem Band.
276 Savenok, Venskie vstreči, S. 25.
277 Ebd., S. 20–22.
278 Ebd., S. 35.
279 Ebd., S. 294–301.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918