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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Page - 774 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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Resümee774 Schulen. Die Einquartierungen in Privatwohnungen ermöglichten hingegen höheren Dienstgraden einen höheren Lebensstandard. Zugleich konnten sie dadurch zumindest partiell und peripher am österreichischen Alltag teilneh- men. Der Dienst in der Armee bedeutete auch in den Besatzungstruppen viel- fach eine Zeit ohne Frau und Familie. Dies erklärt zudem, weshalb bereits unmittelbar nach Kriegsende sowjetische Besatzungsangehörige – verbo- tenerweise – den Kontakt zu österreichischen Frauen, aber auch zu befrei- ten „Ostarbeiterinnen“ suchten. Manche Offiziere hielten sogar ehemalige Zwangsarbeiterinnen gewaltsam „für ihre Zwecke“ von ihrer Repatriierung zurück. Lediglich Generäle und Offiziere hatten zunächst bis 1948 das Privileg, ihre Familien – nach Genehmigung durch den zuständigen Militärrat – in die sowjetische Besatzungszone Österreichs nachkommen zu lassen. Die Kom- mandeure der betroffenen Einheiten mussten gewährleisten, dass geeignete Wohnungen und ausreichend Lebensmittel bereitstanden. Erst im August 1953 erhielten schließlich die Frauen und Kinder von Offizieren, Generälen und Admirälen generell das Recht, ihrem Mann bzw. Vater ins Ausland zu folgen. Trotz ideologischer und wirtschaftlicher Überlegungen hatte die Füh- rung offensichtlich erkannt, dass „in Einsamkeit lebenden Offiziere sehr de- moralisiert [sind], die Anzahl außergewöhnlicher Vorkommnisse wächst“.9 Zum Zeitpunkt des Abzugs der Truppen 1955 befanden sich insgesamt 7590 Offiziersfamilien in der sowjetischen Besatzungszone. Die Gesamtzahl der Armeeangehörigen belief sich auf knapp 40.000 Personen. Zwar befanden sich die nachgezogenen Offiziersfrauen auf österreichi- schem Boden, doch führten sie ein weitestgehend exterritoriales Leben und blieben größtenteils unter sich. Mangelnde Deutschkenntnisse stellten dabei sicherlich eine Barriere dar. Darüber hinaus ergaben sich durch die Beschäf- tigung mit Haushalt und Kindern weit weniger Anknüpfungspunkte zu Ein- heimischen als über den Dienst als Militärangehöriger. Auch die Offizierskin- der hatten häufig kaum Kontakt zu österreichischen Kindern. Sie besuchten sowjetische Schulen und wurden aus Angst vor tätlichen Übergriffen vielfach von der österreichischen Umwelt abgeschottet. Ein besonders plakatives Bei- spiel für diese Einstellung ist der Fall von Herbert Killian, der wegen „drei Ohrfeigen“, die er 1947 einem neunjährigen Offizierssohn gegeben hatte, von einem sowjetischen Militärtribunal wegen „Rowdytums“ zu drei Jahren GULAG-Lagerhaft verurteilt wurde. 9 Nikol’skij, GRU v gody Velikoj otečestvennoj vojny, S. 252; Bacher – Ruggenthaler, Als GRU-Offi- zier in Österreich, S. 145.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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