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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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17715. Oktober 1848 Aufstand los, ein theil des militärs, hauptsächlich italiener, scheint (gewiß kann man bey den bisher noch ungenauen nachrichten nichts sagen) mit dem Pöbel fraternisirt zu haben, die Anstalten waren wieder wie gewöhn- lich schlecht getroffen, das militär hatte keinen Befehl zum feuern, die nationalgarde ader innern stadta kämpfte gegen die radicale der vorstädte, kurz die canaille blieb sieger. latour, gegen den wegen seiner verbindung mit Jellachich und der aufgefangenen Briefe desselben der haß der un- garn vorzugsweise gerichtet war, wurde im hofkriegsgebäude ermordet!! (mord ist jetzt die tagesordnung), das bürgerliche Zeughaus erobert. die nationalversammlung1 erklärte sich permanent, die slavischen und wie es scheint auch viele der gemäßigten mitglieder blieben aus, und der kaiser verließ am 7. früh schönbrunn, gegen linz zu, und hinterließ ein manifest, worin er in einfachen ernsten Worten an den gesunden sinn seiner völker appellirt. der reichstag hat mehrere Proclamationen erlassen, welche ganz in loyalem monarchischen geiste abgefaßt sind (obwohl die linke jetzt dort zu praedominiren scheint), aber auch kein Wort der entrüstung über das geschehene ausgesprochen. doblhoff, kraus und hornbostel führen die re- gierung bis zur vervollständigung des ministeriums fort. Was wird nun aus all dem werden? Jellachich gelähmt und seine ernennung zum alter ego doch nicht widerrufen, der exaltirten fraktion kossuths muth gegeben, der kaiser fort und mit dem festen entschlusse, den er wie ich hoffe auch halten wird, nicht eher nach Wien zurückzukehren, bis nicht vollkommene ordnung hergestellt ist, und italien, carl Albert wird neue hoffnung schöp- fen und vielleicht die feindseligkeiten erneuern. für diesen letztern fall habe ich gestern an schmerling geschrieben und ihn dringend aufgefordert, eine solche Wiederaufnahme als einen Akt der feindseligkeit gegen deutschland zu bezeichnen und für den fall wenig- stens ein Beobachtungscorps zum schutze der reichsgrenze (verona) auf- zustellen. Als partie co-intéressée hat deutschland dazu das recht und die Pflicht. Dieses spreche ich auch hier ganz offen aus, damit es zu den rechten ohren komme. ich habe lange keinen so traurigen tag gehabt wie den 13., als ich diese nachrichten erfuhr, selbst damals nicht, als ich die ereignisse vom 18. september aus frankfurt erfuhr. die gestrigen nachrichten, die Wiederherstellung der ruhe, das gute Benehmen des reichstages etc. ha- ben mich wieder etwas beruhiget, heute sonntag gibt es keine nachrichten. klärte alle nicht sanktionierten Beschlüsse für ungültig, erließ für ungarn das kriegsrecht und ernannte Graf Jellačić zum Oberbefehlshaber und bevollmächtigten Kommissär und stellvertreter des kaisers für ganz ungarn samt seiner nebenländer. a–a eingefügt. 1 gemeint ist der konstituierende reichstag in Wien.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

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  1. Tagebücher 1848–1853 7
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