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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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22115. Februar 1849 chen zurücknehmen wird. es wäre demnach sehr möglich, daß die genann- ten regierungen in nächster Zeit einen collectivschritt thäten und die na- tionalversammlung fallen ließen, wenn nicht von hier aus etwas geschieht, was Alle befriedigen kann. dieses setzte ich gagern auseinander und theilte ihm dann meinen Plan einer neuen Bundesacte mit, welche von Bevollmächtigten aller deutschen regierungen abgeschlossen und von der nationalversammlung angenom- men werden sollte, worauf dann die eigentliche mission dieser letztern be- endigt wäre, und das bisher berathene verfassungswerk zu einer special- verfassung für die (20, 30, 35 etc.) deutschen staaten herabsinken würde, welche gesonnen wären daran theilzunehmen. gagern behielt meine Aus- arbeitung bey sich und wird mir in ein paar tagen weiter darüber sprechen. rechberg soll diesen Abend von münchen hier ankommen. die gesellschaftlichen verhältnisse sind mir hier so unangenehm und langweilig wie die politischen, es ist das alltägliche und doch bewegte ei- nerley einer vergnügenssüchtigen kleinen stadt, welchem man sich, ohne auffällig und unartig zu werden, kaum entziehen kann, leider ist mein frü- herer Zufluchtsort, der Bergensche Salon, nun auch in den Strudel mit hin- eingerissen worden, in welchen die gute frau auch ganz hineinpaßt, mir aber geht hierdurch meine frühere unabhängigkeit vom hiesigen treiben verloren, denn da ich aus system keine clubs mehr besuche, das hiesige gasthausleben aber mit dem lärmen und tabaksqualme nicht ertragen kann, so bleibt mir oft nichts anders übrig, als diese lustbarkeiten mit ei- nem gesichte so langweilig wie das eines leichenbitters mitzumachen.1 [frankfurt] 15. februar ich habe mit rechberg gestern und heute viel verkehrt und manches in- teressante erfahren. das österreichische Projekt war folgendes gewesen: eintheilung in 6 kreise: oesterreich (und zwar ganz!!), Preußen und die 4 könige als kreisobersten. eine repräsentativverfassung etc. für jeden kreis, in frankfurt ein Bundestag bestehend aus einem Bevollmächtig- ten per kreis als oberhaus und zwey ständeabgeordneten als unterhaus. die competenz dieser centralrepräsentation bloß die des bisherigen Bun- 1 „Ich halte mich hier in dignified solitude und abseits von allen Parteyen, indem ich keine ganz billigen kann, und überhaupt die sache sich nicht mehr, oder wenigstens nicht mehr ausschließlich hier machen wird, und es machen mir daher alle Parteyen die cour, viel- leicht werden sie mich un beau matin alle zerreißen, dabey bin ich aber nicht müßig. da man zu meiner redlichkeit und zu meiner einsicht vertrauen hat, so wenden sich sehr viele ausgezeichnete leute und fast alle diplomaten etc. an mich, um so mehr, als schmer- ling in jenen beyden Beziehungen kein vertrauen genießt.“ (Andrian an seine schwester Gabriele, 17.2.1849; K. 114, Umschlag 662).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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