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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher226 Auch die sächsischen kammern haben sich gegen ein preußisches erbkai- serthum ausgesprochen. frankfurt 28. februar sonntag den 25. Abends kam ich von Baden zurück, seit gestern habe ich ein heftiges fieber und bin sehr matt und krank. sobald ich reisen kann, gehe ich nach Wien, ob mir nun Gagern (dessen geschäftliche Unbehülflich- keit wirklich grenzenlos ist) Aufträge mitgibt oder nicht. heckscher, hermann und sommaruga sind auf eigene faust nach ol- mütz abgereist, um ihren sogenannten großdeutschen verfassungsentwurf zur Annahme zu empfehlen, ein unsinniges unternehmen, das ich nur von heckscher nicht begreife, die beyden andern sind hanswurste, bey heck- scher mag es sucht seyn, wieder eine rolle zu spielen, wohl auch sich an der nationalversammlung zu rächen. doch läugne ich nicht, daß mir diese reise einige unbehaglichkeit verursacht und vielleicht meine Abreise be- schleunigt, denn in olmütz ist das unsinnigste in deutschen Angelegen- heiten zugleich das Wahrscheinlichste. 28 deutsche staaten, 22 millionen repräsentirend, haben sich nun mit Preußen vereint und erklärt, an dem Bundesstaate auf der Basis der hier entworfenen verfassung beizutreten. die 4 könige fehlen noch. oesterreich wird wieder post festum kommen. die russen sind in siebenbürgen eingerückt, was unter unsern großen männern hier (und hierin sind sie sich Alle gleich: linke und rechte, ga- gern, schmerling etc., in Beziehung auf höhern politischen Blick stehen sie Alle auf derselben höhe) gewaltige Angst erregt, ich habe gar nichts gegen die russische Allianz, finde sie sogar unter den jetzigen Umständen die natürlichste, nur fürchte ich, wird dieselbe classe von staatsmännern in oesterreich der regierung deßwegen einen harten stand bereiten, und jedenfalls wünschte ich nicht, daß oesterreich, wie dieses jetzt der fall ist, rußland zu seinem einzigen Alliirten habe. [frankfurt 2. märz] die coalition zwischen der linken und der österreichischen Partey steht eben jetzt in schönster Blüthe, und das resultat davon ist das allerradi- calste Wahlgesetz, ohne census, direct und mit geheimer Abstimmung! ich ging gestern, 1. märz, aus dem Balle eigens in die Paulskirche, um ge- gen diese saubere coalition namentlich abzustimmen,1 überhaupt verliert 1 in namentlicher Abstimmung abgelehnt (239 gegen 230 stimmen) wurde der Antrag des Ausschusses „das Wahlrecht muß in Person ausgeübt, die stimme mündlich zu Protokoll gegeben werden.“ dagegen fand der minoritätsantrag: „das Wahlrecht wird in Person durch stimmzettel ohne unterschrift ausgeübt“ die mehrheit (249 gegen 218 stimmen).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

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