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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher266 chen, ich glaube nicht, daß bey ihrem Zusammentritte daselbst 100 mitglie- der anwesend seyn werden. der Präsident reh und mehrere mit ihm sind ausgetreten.1 Preußen hat den erzherzog Johann förmlich aufgefordert, die verweserschaft in seine hände niederzulegen, und zugleich ganz katego- risch erklärt, daß es in der dänischen sache nunmehr für sich allein und ohne rücksicht auf die centralgewalt vorgehen werde, und demgemäß an Bunsen und Prittwitz das nöthige erlassen. Als grund wird angegeben, daß das reichsministerium nach dem gesetze vom 28. Juny bey Beschlüs- sen über krieg und friede an die Zustimmung der nationalversammlung gebunden sey, welche letztere Preußen nicht mehr anerkenne. der erz- herzog hat sehr energisch geantwortet und das verfahren Preußens einen Bundesbruch genannt. die correspondenz ist veröffentlich und wirkt sehr zum nachtheile Preußens, ich sehe den Zweck dieses manœuvers von seite Preußens nicht ein und halte es für sehr ungeschickt, es müßte denn, na- mentlich wegen Dänemark, ein russischer Einfluß dahinter stecken. [Wien] 8. Juny Abends morgen ziehe ich nach Baden, wo ich im sauerhofe eine Wohnung genom- men habe, dort gedenke ich etwa 4 Wochen die Bäder zu brauchen, was dann geschieht, weiß ich nicht, übrigens bin ich froh, aus diesem langweili- gen orte wegzukommen. noch immer nichts neues, nichts entscheidendes hier, als daß wir täg- lich mehr in den dreck versinken, in ungarn nichts, während man dort gegen uns den kreuzzug predigt und organisirt, und die cholera und die sommerhitze immer stärker werden. geringer, den „kleinen Beamten“ par excellence, hat man zum obersten civilcommissair ernannt!!! in italien ebenfalls nichts neues, kein friede, daher keine organisirung, ja kein sy- stem, über das man in dieser Beziehung im reinen wäre, und was vielleicht das Ärgste ist, unsere geldverhältnisse von der Art, daß ein Bankerott nä- her ist als je seit märz 1848. gold und silber zu erschreckenden Preisen, scheidemünzen verschwunden, die Bank auf miserablen füßen, und die verwaltung thut nichts, das ministerium wird täglich jämmerlicher und haltloser, und am ende wird es dann doch, ohne jeden äußeren Anstoß, durch seine eigene unfähigkeit fallen. mehrere kleine deutsche regierun- gen sind Preußens verfassungsentwurfe beygetreten, Bayern nicht, doch 1 die letzte sitzung in frankfurt fand am 30.5.1849 statt. Präsident theodor reh trat aus Protest gegen den verlegungsbeschluss zurück, da er „meiner festen ueberzeugung nach das letze Band des vertrauens zerreißt, welches zwischen ihnen und dem deutschen volke besteht, und weil er die stärkste säule ihrer moralischen kraft zerbricht.“ die erste sit- zung in stuttgart fand am 6. Juni statt.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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