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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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33716. Februar 1850 Beym Weggehen sagte ich Bach noch, daß ich durch mein langes Aushar- ren meine Bereitwilligkeit hätte zeigen wollen mich verwenden zu lassen, sowie daß ich keine opposition im schilde geführt habe, daß ich übrigens nicht läugne, daß damit auch der Wunsch verbunden gewesen sey, mit dem hofe meinen frieden zu machen, welcher mich am 29. märz vorigen Jahres auf eine so unerklärliche Weise verletzt habe.1 Zum schlusse bath mich Bach, ich möchte ihm meine freundschaft erhalten. und somit sind diese beynahe 11monatlichen negociationen zu ende, ob wir als freunde oder als feinde auseinandergekommen sind? das weiß ich noch kaum zu sagen, übrigens hat es mit der feindschaft noch immer Zeit, und vor der hand stehen mir beyde Alternativen offen. [Wien] 16. februar ich habe mich vor der hand für die Alternative der freundschaft oder ei- gentlicher der nichtfeindschaft entschieden, dieß ist jedenfalls das klügere, ein halber freund ist immer mehr zu ménagiren als ein feind. ich habe diese meine stellung dadurch motivirt, daß ich, soviel grund zu persönli- cher unzufriedenheit mir auch die ganze Art und Weise der nun abgebro- chenen unterhandlungen gegeben haben mag, doch in den eben jetzt her- vortretenden Anzeichen einer reaktionären Bewegung einen Beweggrund für mich erblicke, das ministerium vor der hand zu unterstützen. dieses habe ich oettl, dem ich gestern die begehrte liste italienischer vertrauens- männer brachte, mit dem Auftrage es Bach mitzutheilen gesagt. ich werde mich jetzt vor der hand passiv verhalten und wahrscheinlich auf einige Wochen verreisen – wohin? weiß ich noch nicht. Am liebsten ginge ich wohl nach Paris, doch kostet mich das zu viel geld. lange wird dieses ministerium, wie mir scheint, nicht mehr dauern, sondern an seiner eigenen unfähigkeit und uneinigkeit scheitern wie ein schlechter reiter, der im schritte vom Pferde fällt. Was dann geschieht, ist schwer zu sagen, ebensoschwer als das, ob wir in europa noch lange ruhe behalten. die gefährlichen Jahrestage nahen, und das feuer glimmt noch überall unter der Asche, in frankreich sehen die dinge nicht sehr beruhi- gend aus. ich habe endlich doch Anstalten getroffen, um die dummen gerüchte, welche meinen nahmen immerfort mit reaktionären und ultra conservati- ven combinationen in verbindung bringen, zu widerlegen und meine poli- tische richtung in ihr wahres licht zu stellen, es war nothwendig. 1 Am 29.3.1849 war Andrian eine kaiserliche Audienz in olmütz verweigert worden. siehe eintrag v. 30.3.1849.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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