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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Page - 348 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II

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Tagebücher348 die Aufregung zu erhalten, oder von den reactionärs, um die Aufhebung des Belagerungszustandes zu hintertreiben, im spiele ist, weiß ich nicht zu sagen. die Papiere fallen, der Wechselkurs steigt enorm, ebenso gold, welches heute auf 24, silber auf 20 steht! die letzten socialistischen Wah- len in frankreich, obwol sie mich nicht schrecken, die gerüchte einer ein- mischung rußlands (das nie so hoch gestanden wie jetzt) und noch eine menge andere dinge zusammengenommen, machen auf viele leute einen tiefen eindruck. ich aber glaube trotz dem, daß wir wieder rüsten und Pferde einkaufen, an keinen krieg, und wäre es auch nur unserer misé- rablen finanzen wegen. das Parlament in erfurt ist eröffnet, gestern ist seidlitz dahin abgegangen, ich habe ihm Briefe an gagern und stockmar mitgegeben. Bach hat mir zugesagt, daß er Zang’s Wunsch unterstützen wolle, wenn dieser ein befriedigendes Programm geben würde. dieser wird nun an mich einen ostensibeln Brief in form eines Programmes schreiben, dessen inhalt wir gestern besprochen haben, und der, ohne sich die hände zu binden, im Wesentlichen das ministerielle Programm vom 27. november 1848 cir- cumscribiren wird. Bis jetzt scheint diese unterhandlung so ziemlich nach meinem Plane zu gehen und Zang sich ganz an mich halten zu wollen. man glaubt nun doch, daß der Belagerungsstand im may oder Juny zu ende gehen soll, wenigstens schließt man dieses aus den bevorstehenden Wahlen für den gemeinderath nach dem so eben erschienenen gemein- destatute.1 das ministerium watet im kothe und sinkt täglich mehr in der öffentlichen Achtung, doch scheint es um keinen Preis abtreten zu wollen, und es gibt keine männer, um sie zu ersetzen, wenigstens keine, welche von der öffentlichen meinung als solche bezeichnet werden, unser politisches leben ist dazu noch zu jung, und wir haben weder eigentliche Partheyen, noch coriphäen. doblhoff schrieb mir neulich durch eine gelegenheit einen langen Brief, er ist verstimmt und niedergeschlagen und persönlich verletzt durch die Art und Weise, wie er hier von Allen, von freunden und feinden, fallen gelassen wird.2 1 die provisorische gemeindeordnung für Wien hatte am 6.3.1850 die kaiserliche genehmi- gung erhalten. die Wahlen zum gemeinderat fanden erst vom 30.9.–8.10.1850 statt. 2 frh. Anton v. doblhoff an Andrian, haag 14.3.1850 (k. 115, umschlag 666): „ich weiß, daß du eben nicht zu den dicksten freunden des ministeriums gehörst und daß du in vielen und wichtigen Dingen anders denkst, dennoch erscheint es mir Pflicht jedes Va- terlandsfreundes, jedes wahrhaft gutgesinnten, in dem gegenwärtigen Augenblicke nicht die Hände in den Schooß zu legen und nicht eine bessere Zeit abzuwarten; diese Zeit wird nie erscheinen, wenn Alle so denken und das feld denjenigen überlassen, welche sich nur aufs umkehren verstehen und die letzten schwachen stützen einer neuen Zeit wegräumen
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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