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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher350 an, gegen das staatspapiergeld im Werthe zu steigen. viele wollen darin ein manœuver Bruck’s gegen krauss sehen, gewiß ist, daß er und seine spießgesellen stark intriguiren, um ihn zum finanzminister zu machen. das wäre der Wolf im schafstalle. ich habe mir durch die unglückliche idee, meine skizze der bewußten Brochure durch seidlitz ausarbeiten zu lassen, doppelte Arbeit gemacht, das, was er hineinflickte, war so schlecht, daß ich Alles neu umarbeiten mußte, ich werde in 1–2 tagen damit fertig werden. übrigens eilt es mit dem drucke nicht so sehr, ich will vorher mit der Zang’schen Affaire im reinen seyn (nach dem erscheinen der Brochure dürfte dieses schwerer fallen) und wo möglich auch mit meinen italienischen conferenzen zu ende seyn. Auch will ich mich doch mit ein paar männern meiner farbe, z.B. Stift, vorläufig besprechen, dergleichen Schritte sollten nie für sich allein unternommen werden. kein Zweifel ist, daß mich die Brochure mit dem mi- nisterium auf einen gespannten fuß stellen wird, und daß dann von einer verwendung keine rede seyn kann. deym (der übrigens mit ihrer richtung gar nicht einverstanden ist, da er ein starrer centralist ist) meint, ich solle sie nur privatim den ministern mittheilen, ich aber meine, der hauptzweck sey der, mein Programm öffentlich abzulegen und mich wieder in das ge- dächtniß des Publicums zu bringen. Zang hat sich seit 8 tagen nicht sehen lassen, daher auch sein Pro- gramm noch nicht eingeschickt. Becher sagt mir, da er bey dem jetzigen Anfange eines neuen Quartals viele Abonnenten neu gewonnen hätte, so habe er mit fleiß zugewartet, bis diese thatsache zur kenntniß des mini- steriums käme, was allerdings seine stellung bessert. nun höre ich aber von einem höchst unpolitischen Artikel der „Presse“ von neulich gegen die neuen theresienordensverleihungen, namentlich an Windischgrätz, bestä- tigt sich dieses, so ziehe ich meine hand von ihm ab, wenn der kerl so un- verläßlich oder so ungeschickt ist, gerade in diesem momente sich gerade an das militär, dieses noli me tangere, zu wagen, so ist mit ihm nichts anzufangen.1 es scheint endlich, als ob es frühling werden wollte, bisher hatten wie immer kalte, windige, wenn auch heitere tage. 1 die Presse v. 30.3.1850, Wien 28. märz, gezeichnet c.B. darin heißt es, dass man dem fürsten zur verleihung des ordens „nicht unbedingt glück wünschen könne.“ Während die großen österreichischen feldherren den orden jeweils nach der Beendigung glorreicher feldzüge gegen den auswärtigen feind erhalten hatten, würde er an Windischgrätz für die niederschlagung der Aufstände in Prag und Wien und die darauffolgenden politischen maßnahmen verliehen. es wäre dies der erste fall, dass der orden „zur Belohnung von verdiensten ertheilt wurde, welche außer dem schlachtfelde erworben worden sind.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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