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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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37119. Juni 1850 hingenau’s Brochure, deren correctur ich besorgte, ist fertig und wird recht gut wirken. Auch den Wiener Boten (der gegen 12.000 Abonnenten, hauptsächlich auf dem lande hat!) habe ich in die hand genommen und ihm eine Art von instruction gegeben, wie er jetzt schon anfangen soll, über landtage und landtagswahlen zu schreiben.1 das ist ein sehr mächtiges instrument. Auch mit gottfrieds vermögen, erhebung und Anlage seiner gelder etc. habe ich ziemlich zu thun gehabt, welches Alles nicht hindert, daß ich na- mentlich des Abends sehr an langer Weile leide. mir fehlt der umgang mit interessanten frauen, freylich gibt es hier deren kaum. ich war neulich auf 1 bis 2 tagen in Baden und gehe vielleicht heute wieder hinaus. Bin ich von rosenau zurück,2 kann ich erst Projecte machen für den sommer, und vielleicht auch dann nicht, die jetzige Zeit ist kostbar, denn sie ist vielleicht die letzte für die vorbereitung zu den landtagen, und ich habe mir fest vorgenommen, meine revanche so vollständig als möglich zu nehmen. [Wien] 19. Juny heute schrieb mir frank, kaisersfeld könne nicht kommen, da eine Art Bauernaufstand seine Anwesenheit auf seinem gute erheische. mir war das sehr unangenehm, aber was war zu thun? ich schrieb dann gleich an frank, egbert [Belcredi] und stifft und verlegte die Zusammmenkunft auf die letzten tage dieses monats, obwol das meine Projekte ziemlich déran- girt. es darf keine Zeit verloren werden, um uns zu rüsten, sonst treffen uns die ereignisse, vielleicht sogar die landtage, unvorbereitet.3 Auch mit der herausgabe der Wochenschrift hapert es, sie sind zwar auf 3–4 hefte versorgt, fürchten aber, nicht genug stoff zu den weiteren heften zu bekommen, und möchten hierin sichergestellt seyn, ehe sie anfangen, ein von mir zugesandter Aufsatz hingenaus schien ihnen nicht geeignet. ich habe geantwortet, die Wochenschrift sey nebensache, unsere theilnahme benbei zu gebrauchen zu sein, um die erinnerung aufrecht zu erhalten, daß es anders sein könnte und sollte, sie wird uns nicht dienen, zu dem Anderen zu gelangen.“ Zielführend sei daher „nur der Weg der verständigung gleich und Wohlgesinnter, um auf dem gesetzlichen Wege die energie ihres redlichen Wollens bis an die äußersten grenzen unserer constituti- onellen Berechtigungen zu tragen und den kampf mit offenem visir gegen eine gesetzlose Allmacht zu wagen, die uns dem untergange zuführt.“ 1 die tageszeitung der Wiener Bote war nach dem eintrag v. 27.4.1849 von einer gruppe um den Bankier frh. ludwig Pereira-Arnstein gegründet worden. 2 das gut von frh. Andreas stifft bei krems. 3 freiherr Andreas von stifft antwortete Andrian am 21.6.1850 (k. 114, umschlag 663): „ich bin ganz mit ihnen einverstanden, daß es höchste Zeit zum handeln ist, und halte jeden tag Zeitverlust für unersetzlich.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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