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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher384 Am montag den 12. früh fuhr ich, um mir die langeweile einer 16 stün- digen Bergfahrt zu verkürzen, mit einem eilbauern bis gran, wo ich um 1/2 10 ankam. das dampfschiff kam um 1/2 11, und als ich eben ganz wohlge- muth einsteigen wollte, ließ mich der diensthabende corporal nicht hinein, weil mein Paß nicht vom graner Platzhauptmann vidirt sey! ich parlamen- tirte lange mit ihm, und eben als ich ihn überzeugt hatte, fuhr das dampf- boot davon. ich wollte verzweifeln, mußte mich aber fügen und 24 stunden in dem häßlichen neste und einem elenden Bauernwirthshause zubringen. in der nachbarschaft kannte ich niemand, und die nächste Bekannte, ma- thilde Berchtold in orossy,1 war 6 stunden entfernt. doch verging mir die Zeit schneller als ich gedacht hatte, indem ich mir nachmittags mit allem détail die große Basilica besichtigte, welche vom Primas rudnay begon- nen, noch im Baue begriffen ist, ein grandioses Bauwerk, wenn auch der geschmack manches zu wünschen übrig läßt. tags darauf, am 13., fuhr ich dann fort, in drückender hitze, und kam nach einer langweiligen fahrt erst um 12 uhr nachts nach Pressburg, wo ich schlief und tags darauf um 10 uhr mit der eisenbahn nach Wien fuhr. der kaiser ist heute auf 8–10 tage nach ischel, der ganze hof ist fort. Alles ziemlich leer und todt, wenig neues noch stoff zum gespräch, nur in Beziehung auf schleswig holstein thut sich eine mich überraschende Theilnahme durch zahlreiche Geldsammlungen, Beneficevorstellungen etc. kund. Bey der rückkehr der Wiener Amnestiirten fürchteten die minister (die sich vor Allem fürchten) eine demonstration und ließen sie daher ein- zeln und verspätet ankommen. übrigens scheint diese, sehr spärliche, Am- nestie hier keinen eindruck gemacht zu haben. von Aufhebung des Belagerungsstandes ist trotz Allem, was die Blätter sagen, keine rede, doch glaube ich nicht, daß es lange mehr dauern kann. die Wahlen für den gemeinderath und die Jury werden vorbereitet. vom landtage keine spur. einstweilen bereite ich mich auf die Zusammen- kunft vom 25. vor und hoffe, daß damit endlich ein entscheidender schritt vorwärts gemacht werden wird. übrigens treibe ich das Alles jetzt mehr mechanisch fort, ich fühle eine gewisse nicht ermattung, sondern Apa- thie, und möchte mich von all dem treiben zurückziehen und abwarten. die Zeit, die verhältnisse und die ungeschicklichkeit der leute werden Alles von selbst machen, besser und vielleicht schneller als wir es künst- lich hervorzubringen suchen und doch keine hinlängliche kraft dazu be- sitzen. 1 richtig nagyoroszi.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

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  1. Tagebücher 1848–1853 7
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