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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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41525. November 1850 glückte italienische Zwangsanleihen (124 millionen l.A.) von neuem unter veränderten modalitäten publicirt worden.1 ich bin neugierig, ob es krauss und seinen ungeschickten handlangern dießmal gelingen wird. [venedig] 25. november gestern stand das silber in Wien 40, die metalliques 87, also eine sehr be- deutende Besserung, die Zeitungen können erst morgen Aufschluß bringen, indessen erkläre ich mir den vorgestrigen fall durch den rücktritt manteuf- fels, das gestrige steigen hingegen durch friedliche versicherungen seines nachfolgers.2 trotz Alles dessen scheint der krieg sehr nahe zu stehen. man schreibt mir von Wien, daß im Publikum die größte Aufregung herrscht, bey hofe dagegen ist Alles rosenfarb, der kaiser träumt nur von krieg, erzher- zogin sophie macht Phrasen über die glorie und das glück oesterreichs, einen solchen herrscher zu besitzen. Quos deus perdere vult etc. mittlerwei- len hat man, de but en blanc, den eid des heeres auf die verfassung abge- schafft, dem § 118 der verfassung schnurstracks entgegen,3 sich in solchen momenten mit dergleichen theoretischen fragen zu beschäftigten, ist ganz in dem geiste der vielgeschmähten deutschen Professoren, dazu sehr un- zeitig, und wird auch in der Armée selbst durchaus nicht gut aufgenommen werden. kömmt es zum kriege, und wird, was sehr unwahrscheinlich, kein euro- päischer daraus, so haben wir im falle eines glücklichen Ausganges eine militärherrschaft, weit ärger als die jetzige, im unglücklichen falle eine revolution zu gewärtigen, in beyden fällen stürzt das ministerium, im er- steren falle vielleicht mit Ausnahme schwarzenbergs. ob die kerls dieses nicht einsehen? ich glaube ja, und daher an sehr ernstliche spaltungen un- ter ihnen. Am wahrscheinlichsten aber ist, daß ein Brand daraus wird, der ganz europa ergreift, die democraten rüsten aller orten, die Propaganda in london hat einen Aufruf an die deutschen erlassen, und mazzini, dessen Anleihe ganz gedeckt seyn soll,4 bereitet eine expedition nach calabrien vor. 1 nachdem eine im April 1850 in lombardo-venetien zunächst auf freiwilliger subskrip- tion ausgeschriebene Anleihe trotz verlängerung der Zeichnungsfrist nur ein Zehntel der erwarteten summe gebracht hatte, wurde sie im november durch eine Zwangsanleihe er- setzt. 2 hier scheint Andrian wiederum falsche informationen, wohl aus der Presse, erhalten zu ha- ben. der preußische provisorische Außenminister frh. otto v. manteuffel trat nicht zurück, auch ist kein demissionsgesuch dokumentiert. er wurde im gegenteil am 19. dezember definitiv zum Ministerpräsidenten und Außenminister ernannt und blieb bis 1859 im Amt. 3 § 118 der verfassung vom 4.3.1849 lautete: „der eid des heeres auf die reichsverfassung wird in den fahneneid aufgenommen.“ 4 giuseppe mazzini versuchte, über eine Anleihe die finanzierung eines neuen nationalen Aufstandes in italien zu ermöglichen.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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