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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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45917. Mai 1851 erfüllen und von meinen fähigkeiten gebrauch machen zu können. darauf empfahl ich mich. im ganzen machte die Persönlichkeit des kaisers einen günstigen ein- druck auf mich. er kam mir viel freundlicher und weniger verbittert vor, als ich gedacht hatte, und trotz einiger, offenbar eingelernter Phrasen, die er während des ersten theiles meiner rede anzubringen versuchte, fand ich in seiner rede im ganzen viel mehr eigenes, gedachtes, individuelles, als man sonst von seines gleichen zu finden gewohnt ist. mit dem resultate meiner Audienz war ich daher insoferne zufrieden, ob- wohl es statt einer unterredung, wie ich sie gewünscht hätte, nur eine steife förmliche Audienz war und auch nichts Anderes seyn konnte, daher wohl kaum einen bleibenden eindruck zurückgelassen haben dürfte, es ist eben nur ein negatives resultat, eine rehabilitation, ein beseitigtes hinderniß. Auf meinen eigentlichen Zweck: eine verwendung zu erhalten, sehe ich davon keine unmittelbare Wirkung voraus und habe heute mit Bruck dar- über gesprochen. schwarzenberg scheint an eine diplomatische verwendung nicht zu denken, Bach hat so eben seinen Bruder zum statthalter in linz ernannt und wird von seinem systeme, lauter nullen in höhere Posten anzu- stellen, wohl kaum abgehen, ich sehe daher nur einen Weg, den der vorläu- figen temporairen verwendung, z.B. in einer diplomatischen oder sonstigen mission, was mir im jetzigen momente auch unbedingt das liebste wäre. ich glaube, wir werden mit nächstem manches erleben, der reichsrath ist die aufgehende sonne, diesem wendet sich Alles zu, das ministerium ist schon in den hintergrund gedrängt, der reichsrath beschäftigt sich nun mit der finanz-, eigentlich der valutafrage und hat vertrauensmänner dazu be- rufen, auf diese kunde fiel vorgestern das silber Agio von 33 auf 30, heute steht es 31. Alle hoffnungen auch in politischer Beziehung sind auf den reichsrath gerichtet, von einer ergänzung desselben hört man immer spre- chen, doch weiß man noch keine nahmen. krauss und Bach werden wohl die ersten fallen, ersterer mit ehren, der andere mit schande und hohn. ich habe noch nie einen menschen so gehaßt und zugleich so verachtet und verspottet gesehen wie diesen, und mit recht. schwarzenberg geht dieser tage nach dresden, um die dortigen famosen conferenzen zu schließen und wo möglich noch etwas herauszupressen,auch er dürfte auf dem letzten loche pfeifen. stürzt das ganze ministerium, so folgt wahrscheinlich eines: Windischgrätz, kübeck, hartig etc. neulich aß ich beym römischen kaiser mit deym, schmerling und stifft. [Wien] 17. may so brillant sich der frühling ende April anließ, so will es jetzt nicht recht vorwärts, zwar ist es schon lange vollkommen grün, doch haben wir viel
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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