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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher514 haben, und der gegenwärtige terrorismus der Presse, der kriegsgerichte, verhaftungen und deportationen kann auch nicht lange anhalten. hier gibt es nicht viel neues als die von oben ausgehenden Agitationen gegen den gemeinderath und die communalverfassung der stadt Wien, welche nun sogar durch ein Allerhöchstes handschreiben bekräftiget wor- den ist. man möchte nach und nach Alles unterminiren. dann eine dumme note schwarzenbergs an die amerikanische regierung puncto kossuth de dato 4. July dieses Jahres, worin von nichts Anderem die rede ist als von dem sklavenhalten.1 mittlerweilen haben wir hier das schönste Wetter von der Welt, und das ist die hauptsache. es finden fort und fort verhaftungen politischer natur hier und in un- garn statt, darunter kossuths mutter und schwestern, kriegsrechtliche ver- urtheilungen von beyspielloser strenge, so wurde ein dr. freund wegen cor- respondenzen an die kölnerzeitung zu 3jähriger schanzarbeit verurtheilt! Wie das unter den jetzigen umständen natürlich ist, wird Alles dieses dem kaiser persönlich zugeschrieben, und man sagt, daß der stadthauptmann Weiss (ein wahrer fouché au petit pied) unmittelbar von ihm Befehle erhält, die minister betheuern wenigstens, keinen theil daran zu haben, wohin soll das führen? Andererseits hört man doch wieder vom nahen erscheinen der verfassung, so daß ich es nun beynahe selbst glauben muß, und zugleich von bedeutenden ministerialveränderungen, nous verrons. lord Westmoreland, welcher seit sechs Wochen auf die überreichung sei- nes creditive wartete, hat endlich seine Audienz beym kaiser gehabt, einge- führt durch ein Porzellanservice, welches königin victoria dem kaiser zum geschenke gemacht hatte und ihm zur überreichung zugesendet worden war, das ganze war eine demonstration, die viel von sich reden machte. 1 Wiener Zeitung v. 15.12.1851, 1150: Antwort des chevalier hüsemann, oesterreichischen gesandten am hofe zu Washington, an se. exzellenz daniel Webster, staatssekretär der vereinigten staaten von nordamerika, 4. Juli 1851. die regierung in Washington hatte den österreichischen Protest gegen die entsendung eines diplomatischen Agenten der usA an die ungarische revolutionsregierung mit der Begründung zurückgewiesen, sie sei aus- schließlich auf dem Prinzip der volksherrschaft gegründet, wodurch sich die sympathie von volk und regierung der usA für alle nach unabhängigkeit strebenden volksbewegun- gen von selbst verstehe. in der Antwort wird darauf hingewiessen, dass der österreichi- sche kaiser keine Belehrungen benötige „von seite einer sklavenhaltenden Aristokratie, die in einer Beziehung jener in Ungarn aufgestandenen Aristokratie so sehr gleicht; sie predigt nämlich die grundsätze der demokratie, während ihr ganzes streben dahin zielt, eine willkürliche gewalt über ihre nebenmenschen auszuüben, und das auf die unverant- wortlichste Weise.“ Weiter heißt es, „der kaiser blickt außerdem mit der ganzen übrigen christenheit mit tiefem Abscheu auf das institut der sklaverei, die so schmachvoll und entwürdigend ist für ein christliches volk.“
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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