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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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5475. April 1852 man spricht wieder mit großer Bestimmtheit davon, daß schwarzenberg und Bach austreten (ersterer aus gesundheitsursachen) und durch ficquel- mont und hartig ersetzt werden sollen. Auch sagt man, daß kempen Poli- zeyminister wird, welches mit dem obigen allerdings übereinstimmt, denn wenn Bach die Polizey verliert, so wird ihm die einzige Waffe genommen, mittelst welcher er sich so lange gehalten hat. Alle diese veränderungen, welche noch vor einem Jahre große sensation erregt haben würden, erregen jetzt nicht mehr die geringste. Alles fühlt, daß es zu spät ist. meine erklärung ist in der Allgemeinen Zeitung unverstümmelt erschie- nen und gefällt Allen denen, die mir davon gesprochen haben.1 dagegen machte der Premier, den ich gestern im Prater begegnete, ein essigsaueres gesicht. frank und Auersperg waren neulich bey mir und erzählten mir von den vorgängen und der stimmung in steyermark, wo man viel entschiede- ner und einstimmiger zu seyn scheint als hier, überhaupt ist die Provinz po- litisch weit rühriger und empfindlicher als die hauptstadt, auf den Adel hat hauptsächlich die suspendirung des landeshauptmannes Attems gewirkt.2 das Wetter ist sehr schön, gestern, wo ich zum ersten mahle im Prater war, war es so voll wie im may, leider kann ich aber dessenungeachtet mei- nen husten und Brustschmerz, die noch von Brüssel her datiren, immer nicht los werden. [Wien] 5. April vorgestern früh 6 uhr ist erzherzogin hildegarde mit ihrem ganzen hause, folglich auch gabrielle, nach ofen abgereist und, wie mir gabrielle diesen morgen schreibt, Abends daselbst angekommen, ein feyerlicher empfang war gar nicht, nur sehr wenig leute am landungsplatze (freylich war das Wetter abscheulich) und nur ein paar eljens von bezahlten gassenbuben, so 1 Zum Artikel der Allgemeinen Zeitung, in dem Andrian als urheber eines angeblichen Auf- rufs zur einberufung der landstände bezeichnet wurde, vgl. eintrag v. 19.3.1952. seine entgegnung, datiert mit Wien 17. märz, erschien am 23.3.1852, Beilage 1326. darin be- zeichnet Andrian die Angaben als frei erfunden: „ich habe nie einen schritt wie den oben- bezeichneten, noch irgend einen ähnlichen gethan oder beabsichtigt. […] die frage über die politische stellung und Bedeutung des Adels (oder richtiger ausgedrückt des großen grundbesitzes) in oesterreich wird seit einiger Zeit mit einer gewissen Absichtlichkeit in den vordergrund gedrängt – und man liebt es wohlfeile Phrasen auf seine kosten zu ma- chen – Phrasen aber vergehen, wie wir erlebt haben; bleibend ist nur dasjenige, was sich aus dem historisch, rechtlich und thatsächlich Bestehenden organisch entwickelt – alles andere ist und bleibt ‚ein Blatt Papier‘.“ 2 graf ignaz Attems, seit 1821 landeshauptmann, war bereits seit oktober 1849 im ruhe- stand, führte jedoch die geschäfte weiter. Am 14.2.1852 wurde er enthoben und gleichzeitig statthalter friedrich moritz v. Burger mit dem vorsitz und der leitung des ständischen Ausschusses betraut.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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