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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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56727. Juni 1852 gegen 1 uhr weit über 100 theils 4jährige, theils Pépinière hengste1 vorfüh- ren und an der longe laufen, worunter die mehrzahl nichts nütz, dagegen einige superbe Pferde. Wir speisten dann bey 2 häßlichen alten fräulein, schwestern des commandanten, der in Arabien reist, und wurden nachmit- tags auf ein paar der näher liegenden Zuchtstutengestüte hinausgefahren, wo wir wirklich magnifique stuten und saugfüllen sahen. im ganzen ist es ein grandioses institut, die Pferde aber werden durch überfütterung und den eigensinn heinrich herdeggs, welcher ein leidenschaftlicher feind eng- lischer Zucht ist, nicht das, was sie seyn könnten und sollten, und dabey entsetzlich kostspielig. gegen 6 fuhren wir fort, tranken in kétegyháza thee und waren gegen 11 uhr zuhause. der kaiser reist noch immer im lande herum und wird mit spectakel, Banderien,2 eljens etc. empfangen, das bedeutet in ungarn, wo man gerne lärmen und streiche macht, allerdings nicht viel, der kaiser aber, sein mi- nisterium, die anderen Provinzen und das Ausland werden dadurch theils wirklich getäuscht werden, theils davon Anlaß nehmen, Andere und viel- leicht auch sich selbst zu täuschen. übrigens schließen sich der höhere und mittlere Adel, so fast alle honoratioren, selbst von diesen demonstrationen aus, ja scheinen sogar darüber ziemlich ungehalten, weil es allerdings ihrer Anschauung und dem, was sie seit 3 Jahren in Wien und anderwärts ge- sagt und gethan haben, nicht entspricht, umsomehr gewinnt diese reise des kaisers nach und nach das Ansehen einer Bauerndemonstration, und dieser Begriff eines „Bauernkaisers“, den man schon in Pesth auftauchen hörte, entfremdet natürlich die höheren classen noch mehr. übrigens würde sich die regierung stark irren, wenn sie diese eljens und Banderien der Bauern für Anhänglichkeit nähmen. im ganzen wird das resultat der kaiserreise kein Anderes seyn als: grö- ßere sicherheit und entschiedenheit von seite der regierung, größere ent- fremdung der höhern klassen, geringere meinung von der persönlichen Bedeutung des kaisers, welcher alle bedeutenderen und tiefer eingehenden gespräche vermieden, ja sie sogar allen deputationen und individuen etc. durch ämtliche circularien hat verbiethen lassen und gar keine andere ei- genschaft gezeigt hat als die einer ganz übertriebenen soldatenspielerey und die eines guten reiters. noch mehr aber hat sich der ungarische Adel bey diesem Anlasse verrech- net und seinen ersten groben politischen fehler seit 3 Jahren begangen, in- dem er entweder zu viel oder zu wenig that, in einem einzigen falle könnte er richtig gerechnet haben, und dieser wäre, wenn der kaiser sich in seiner 1 deckhengste. 2 Banderium – berittene Abordnung, etwa eines komitats.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

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  1. Tagebücher 1848–1853 7
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