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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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5879. Oktober 1852 in die stadt zu ziehen, von heute an scheint sich die unfreundliche Jah- reszeit einstellen zu wollen, und die Abende werden lange. von Wien aus werde ich dann einige Abstecher nach lösch, nach grätz etc. unternehmen und so den monath october hinbringen, was später geschieht, weiß ich jetzt ebensowenig wie vor 14 tagen, ich warte auf einen Brief von gabri- elle, um zu hören, wann sie ankömmt, wahrscheinlich in den nächsten ta- gen. trotz des scheinbar brillanten resultates der Anleihe sind die Papiere dennoch eher im fallen als steigend, der sicherste Beweis für die kreditlo- sigkeit der regierung, dazu kömmt auch noch eine große geldnoth, auch mir sind diese dinge fühlbar, daher ein grund mehr, warum ich keine Projecte machen kann. das kaiserthum in frankreich scheint nun endlich ganz nahe vor der thüre zu stehen, um so besser, man muß sich immer freuen, wenn eine schlechte komödie so rasch als möglich durchgespielt wird, bis zum kriege währt es dann auch nicht mehr lange, schon nergelt l. napoléon mit Bel- gien auf die entschiedenste Weise und coquettirt auch zugleich mit Piemont, übrigens lege ich auf dieses letztere keinen besondern Werth, mit uns wird er sich gewiß, solange es nur irgend möglich ist, gut halten, und wir werden ihm aufsitzen. neulich war hier im theater eine außerordentliche vorstellung: faust, classisch schön, aber ermüdend, davison gab den mephistopheles vortreff- lich, ich sah da eine Jüdin: frau v. spitzer, die mir außerordentlich wohl gefiel. im übrigen lebe ich fast ganz in der spaur’schen familie, obwohl sie eigentlich Alle von sehr wenig ressourcen sind, vielleicht wäre clementine1 auszunehmen, en laquelle il paraît y avoir de l’étoffe. Wien 9. oktober ich blieb noch bis zum 6. in Baden, es waren sehr schöne, wenn auch etwas kalte herbsttage, die ich fast fortwährend im freyen zubrachte. An einem dieser schönen tage war ich in gainfahrn, da ich schuselka den versproche- nen empfehlungsbrief für seine frau nach Paris überbringen wollte. seine idee, eine periodische schrift herauszugeben, scheint so ziemlich unausführ- bar zu seyn, was ich ihm auch sagte, die einzige Art, wie er wieder practisch wirken könnte, ist die, hinaus in das Ausland zu ziehen, obwol selbst da die verhältnisse bey weitem ungünstiger sind als vor 1848. die regierungen sind jetzt solidarischer geworden als damals, sie fühlen, daß es ihnen allen ans leben geht, das erklärt auch zum theile das sonst unerklärliche still- schweigen und gehenlassen der liberalen, ja selbst der radikalen Parthey, 1 Gräfin Clementine Mocenigo, Tochter von Graf Johann und Gräfin Amalie Spaur.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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