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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher606 reise mit dem Zuge heinrichs iv. nach canossa, um barfuß und im Bü- ßerhemde vor Pabst gregor vii. Abbitte zu thun! die entente cordiale ist demnach gegenwärtig so ziemlich dort, wo sie vor der reise war, nämlich auf null. inzwischen ist louis napoléon noch nicht anerkannt, und, wie ich höre, hat rußland noch einige neuerliche Bedenken erhoben. ich halte die- sen Augenblick für sehr bedeutend und auf lange Zeit entscheidend, wäre ich kaiser franz Joseph und daher für die erhaltung des friedens und stärkung des conservativen Principes interessirt, ich schlösse mich fest an frankreich und träte den russischen machinationen in der türkey (welche jetzt entschiedener als seit langer Zeit hervortreten) mit nachdruck entge- gen. die Allianz der 3 nordischen mächte wirft l. napoléon in die Arme eng- lands und der revolutionairen Parthey in allen ländern europas und drängt ihn folglich gegen seinen eigenen Willen zum kriege, den niemand so zu fürchten hat als die österreichische regierung bey ihrer inneren politischen administrativen und finanziellen Zerrüttung. mich beschäftigt diese sache sehr, ich sehe die keime großer umwälzun- gen, die jetzt in den Boden gelegt werden und in 1, höchstens 2 Jahren auf- schießen müssen, wie gesagt, wäre ich kaiser, so wüßte ich wohl, was ich zu thun hätte, in meiner stellung bin ich ungewiß, was ich wünschen, was ich fürchten soll. ich habe meine oben ausgesprochenen Ansichten in form einer denkschrift zu Papier gebracht, als ein Programm, welches ich, wenn ich dazu berufen wäre, dem kaiser, aber auch nur ihm, vorlegen würde, welches ich aber jetzt in meinen kasten sperren werde, da es ein vergeblicher schritt wäre, und ich nicht lust habe, ohne nutzen und erfolg mir russen und weiß gott wen auf den hals zu hetzen. Advienne que pourra, je ne suis pas payé pour désirer et contribuer à la consolidation de l’état des choses actuel. die leute reißen sich selbst den Boden unter ihren füßen weg, soll man sie da- von zurück halten und ihnen die mittel an die hand geben, damit sie ihre Banditenregierung noch um einige Jahre länger fortführen können? denn an eine friedliche umkehr aus besserer überzeugung ist bey ihnen nicht zu denken. Also dahin ist es gekommen. Pessimismus und Augenzudrücken ist das einzige, was noch vernünftig ist. das englische cabinet mit dem hans dampf d’israeli ist über ein Budget- votum und eine coalition im unterhause gestürzt, und ein coalitionscabinet aus Peeliten, Whigs und radicalen (Aberdeen, russell, Palmerston, moles- worth!) ist so eben gebildet. Also Palmerston wieder minister, wenn auch dießmal des inneren! ich bin neugierig, wie sich die sache machen wird. Auch in spanien ist ein versuchter staatsstreich mit einem eclatanten siege der constitutionellen sache beendet worden,1 welche letztere auch in Preu- 1 der versuch der um wirtschaftliche reformen bemühten regierung unter Juan Bravo mu-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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