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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher612 gung unserer augenblicklichen lage eine entschiedene Ansicht gefaßt und sie auch allenfalls (wie ich mir dieses jetzt aus mannigfachen gründen zur gewohnheit gemacht habe) zu Papier gebracht habe, so geschieht ganz ge- wiß und in nächster Zeit das gegentheil davon. Wir stellen unter den Befehlen des Banus an der croatisch-türkischen grenze ein corps von 5000 mann (cavallerie und linie, nicht grenzer1) auf, die einen sagen: als cordon wegen der türkisch-montenegrinischen händel, was ich aber aus 2 gründen nicht für wahrscheinlich halte: erstlich würden dazu grenzer hinreichen, und zweitens sind jene händel und ihr schauplatz von dem Aufstellungsorte croatien viel zu entfernt, um gebiethsverletzun- gen fürchten zu müssen. Andere sagen, und dieses lautet viel wahrschein- licher, es sey bereits der Befehl zum einrücken auf das türkische gebieth gegeben. der sinn dieser Bewegung ist mir ganz klar: im rücken omer Pa- schas, welcher mit großer energie auf montenegro losgeht und vielleicht in diesem Augenblicke das räubernest schon occupirt hat, zu operiren und so die Pforte zu den für die montenegriner günstigsten Bedingungen zu zwin- gen, welche aber rußland, nicht wir, dictiren wird. Wir holen hier die ka- stanien aus dem feuer für rußland, auf dessen Befehl wir handeln, und welches zu entfernt ist, um bey der schnelligkeit omer Paschas rechtzeitig selbst interveniren zu können. sic nos non nobis. Also mit frankreich rußlands wegen überworfen, im schlepptaue dieses letzteren, und von diesem gezwungen, in seinem, dem unsrigen diametral entgegengesetzten, interesse handelnd aufzutreten, das sind die glänzenden resultate unserer Politik. Was diese nachricht, welche noch wenig bekannt ist, auf unsere Börse und valuta für einen einfluß äußern wird, wollen wir sehen, letztere hebt sich ohnedieß wieder langsam und stand heute schon wieder auf circa 10%. im ganzen sind unsere industriellen und nationalökonomischen Zustände trostlos, trostloser als sie es je gewesen. fabriken, gewerbe, Absatz, export, Alles stockt und geht dem ruin entgegen, nur der Belagerungszustand und die fortifikationsbauten floriren, hinter welchen der ritterliche kaiser seine Angst verbirgt. heute vormittags, als eben stifft bey mir war, kam fischer zu mir und brachte das decret mit, welches er so eben erhalten hatte, und womit er in den ruhestand versetzt wird und „aus gnade“ einen ruhegehalt von 2500 fl. erhält. ungerecht in der sache, denn er war gezwungen in staatsdienste getreten und hat diesem eine einträgliche Praxis aufgeopfert,2 und zugleich 1 die regimenter aus der militärgrenze, dem unter eigener militär- und Zivilverwaltung stehenden grenzgebiet zur türkei. 2 Alois fischer, seit 1828 Advokat in salzburg und 1848 reichstagsabgeordneter, war im Au-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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