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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Tagebücher620 geschieht das gegentheil, und so erziehen die leute das volk, ohne es zu wissen und zu wollen, ils se trompent de phiole – fata trahunt. die gutgesinnten spießbürger zittern und werden (wie immer, wenn sie Angst kriegen) schwürig. montenegro, die furcht vor dem kriege und der mailänder krawall, der an den Jänner 1848 erinnert, sind ihnen in die glieder gefahren. übrigens scheint mir die türkische Angelegenheit vor der hand beygelegt zu seyn. Alle 4 mächte, oder doch wenigstens 3, wünschen den frieden, und england und frankreich werden der Pforte mit macht zu- reden, Alles zu thun, um jetzt einen krieg zu vermeiden. übrigens besteht eine Verbindung zwischen Omer Pascha und den Engländern in Corfù, und es sollen von da viele flüchtige ehemalige österreichische marineoffiziere zu omer Pascha gegangen seyn. das hätte ich mir auch nicht gedacht, daß ich, so sehr ich mich innerlich altern fühle, dennoch noch meinen kleinen faschingsroman haben, ja so- gar daß ich darüber eine gewisse wehmüthige Bewegung empfinden würde, welche ich noch heute nicht recht los werden kann. und doch kam es so. eine sehr interessante, geistvolle, liebenswürdige maske beschäftigte mich während der drey letzten redouten und namentlich am faschingsdienstag beynahe ausschließlich. Alles was ich sah und hörte: fuß, hand, Augen, stimme, sprache waren vollendet schön, dazu eine nervöse elektrische lei- denschaftlichkeit, die mich zugleich anzog und erschreckte, kurz, es kam zu einem rendezvous im Prater. Was ich da zum ersten mahle sah, gefiel mir weniger als ich erwartet hatte (ohne mir gerade zu mißfallen), zugleich sagte ich mir, daß ich im Begriffe stehe de m’embarquer dans une affaire sérieuse, doppelt ernsthaft wegen ihres characters, der an leidenschaftlichkeit und Aufregung Alles überstieg, was mir bisher vorgekommen war, und erinnerte mich an mein unstetes leben, welches ich ihr aufzuopfern nicht geneigt ge- wesen wäre, kurz ich brach, mit allen möglichen ménagemens und unter Be- rufung eben auf meine vagabundenexistenz, ab. da folgte denn eine leiden- schaftliche scene des Abschieds, unter deren eindruck ich mich noch heute einigermaßen befinde. es thut mir leid, daß ich sie verwundet habe, es thut mir noch mehr leid, daß sie mir nicht so gefiel, wie ich es erwartet hatte, und es ist mir ein trauriger gedanke, daß ich noch immer nicht zur ruhe kom- men kann, so gerne ich auch möchte, wie eine Personification des Juif errant treibt es mich in der Welt herum, um die leere meines lebens auszufüllen. ich habe, goethes uneingedenk, meine sach’ auf eines gestellt, und dieses eine flieht mich seit 4 Jahren, und ich kann sie auf nichts Anderes stellen. hingenau hat mich diesen Abend in eine sitzung der geologischen reichs- anstalt geführt, vorher besichtigten wir dieses wahrhaft grandiose etablisse- ment. hierin, wie überhaupt in naturwissenschaften, medicin etc. wird hier wirklich großes geleistet, hieher flüchten die denkenden köpfe und die wis-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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