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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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Page - 637 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II

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6377. April 1853 so eben war fischer (der exstatthalter) bey mir und erzählt mir, daß der stadthauptmann Weiss auf Allerhöchsten Befehl von seinem Posten ent- fernt worden ist, eine schmutzige Polizeygeschichte, wo er mit kempen – par nobile fratrum – im denunciiren und Provociren wetteifern wollte, hat diesem elenden subjecte den hals gebrochen.1 ob nicht Bach hinter ihm steckte, ist eine frage. diesen lassen ohnehin kempens lorbeeren (welche freylich in letzterer Zeit etwas welk geworden sind) nicht schlafen, und ich hörte schon, daß er sein ministerium mit dem der Polizey vertauschen solle. Auch von veränderungen in italien etc. spricht man. Welsch, leiter der hiesigen Buchhandlung tendler & c. und früher der tendler’schen filiale in mailand, ist vor einigen tagen gestorben,2 er war mit Allem, was ich 1841–1848 gethan, innig verknüpft, es war eine ehrliche deutsche seele, in den letzten 3–4 Jahren habe ich ihn fast gar nicht mehr gesehen. [Wien] 7. April Abends Wie zu erwarten war, hat der strenge und späte nachwinter auf einmahl in ein beynahe sommerliches Wetter umgeschlagen, seit 5–6 tagen ist es sehr warm, der schnee ist verschwunden, und die vegetation fängt an sich zu regen. heute hatten wir 18° r. Wärme. Wie alljährlich im Beginne des frühjahrs, so fühle ich mich auch jetzt nicht behaglich und leide an einge- nommenheit des kopfes und schwindel. übermorgen denke ich auf einige tage nach Pesth zu fahren, um ein Bis- chen luft zu verändern, ohnehin bin ich schon seit Jahren nicht so lange auf einem flecke gesessen wie dießmahl, und ich fühle das Bedürfniß der locomotion. gegen den 15. soll Bruck wieder hier ankommen, und um diese Zeit will auch ich wieder hier seyn, um es mit ihm auszumachen, ob ich ihn nach Wimpffens Antrag nach constantinopel begleiten soll oder nicht. im übrigen sind meine Projecte für die nächsten sechs monathe ziem- lich gering, selbst wenn diese türkenfahrt zu stande kommt, dürfte sie mich nicht viel über einen monath in Anspruch nehmen, sonst werde ich den sommer über wahrscheinlich nicht viel unternehmen, da ich bey Zei- ten, nämlich jedenfalls schon im september meine reise nach dem süden und orient antreten will. nach Ansbach will ich aber noch einmahl vorher 1 Nach dem Tagebuch des Polizeiministers war Theodor v. Weiß „erbost über die offizielle Behauptung, daß es in Wien demokratenklubs gebe, [und] warf die Äußerung hin, daß er um eine andere Bestimmung bitten werde. mir sehr angenehm.“ (26.2.1853). Am 14. märz vermerkte kempen, dass Weiß „mein vertrauen nicht mehr genieße und daß ich ihn los werden möchte.“ das tagebuch des Polizeiministers kempen von 1848 bis 1859, eingel. und hrsgg. v. Josef karl mayr (Wien–leipzig 1931) 281–284. 2 karl gustav Welsch starb am 24.3.1853 in Wien.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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