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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume II
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66913. August 1853 Abstraction von der gegenwart fordert und dazu kein unmittelbares prac- tisches resultat gibt, passe ich nicht. Will sich einstens Jemand mit dieser Aufgabe beschäftigen (und die Zukunft wird hiezu ein günstigeres terrain biethen als die gegenwart), so wird er materialien genug in diesen tagebü- chern und in meinen Papieren finden. Gerade über die practisch wichtigste Zeit meines bisherigen lebens 1848–9 freylich am wenigsten. da wird er die Quellen mühsam suchen müssen, meine Privatcorrespondenz mit den faiseurs jener Zeit, wovon ich ungeschickter Weise keine Abschriften behal- ten, die Archive der österreichischen staatskanzley etc. [Wien] 13. August meine krankheit geht entschieden aber besonnen vorwärts, und in 3–4 tagen will mich Wurm bereits als reconvalescenten nach Baden schik- ken, wo mich die luft vollends heilen soll. gott sey dank, die sache hat kürzer gedauert, als Wurm und auch ich es dachten. nur mit dem gehen geht es noch ganz misérabel, und auch beym essen muß ich immer einen kampf mit meinem unterleibe bestehen, welcher freylich im Abnehmen ist, mich jedoch noch immer bedeutend anstrengt, der Appetit ist übrigens eine Art von heißhunger zu nennen, ich denke fast bloß ans essen, die drüsengeschwulst auf beyden seiten hat sich fast auf nichts reducirt, der schnitt ist, wie ich behaupte, obwohl Wurm es nicht zugeben will, zuge- heilt, da schon seit 3–4 tagen keine eiterung mehr statthatt, die damit in verbindung stehende irritation des Bauchfelles und schmerzen und Blähungen im unterleibe haben ebenfalls sehr bedeutend abgenommen, obwohl sie noch nicht ganz verschwunden sind und mich eben beym essen gêniren. ich bin Abends ein paar mahl im Burgtheater gewesen, um den Abend hinzubringen, das hingehen (fahren soll ich noch weniger) dauerte gegen eine viertelstunde. übrigens hatte ich hinreichend gesellschaft, indem gabrielle jetzt 5–6 tage in der stadt war, und flore es beynahe beständig ist. die vermählung der erzherzogin marie henriette war am 10. und mor- gen reist sie ab, mit einem sehr glänzenden cortége, sie wird einen 2tägigen Besuch bey ihrem Bruder erzherzog stephan machen, aber dabey nur von Adolf Schwarzenberg und Gräfin Clam begleitet seyn.1 der ganze hof ist bereits oder geht in diesen tagen nach ischel. 1 erzherzogin marie henriette hatte am 10.8.1853 in Wien in Abwesenheit den belgischen thronfolger (und seit 1865 könig) leopold herzog v. Brabant geheiratet, die trauung ad personam erfolgte am 22. August in Brüssel. ihr Bruder erzherzog stefan war nach seinem rücktritt als Palatin von ungarn am 25.9.1848 auf seine Besitzung schaumburg, ca. 50 km nordwestlich von frankfurt, übersiedelt. er war wegen seiner rolle in der ungarischen revolution persona non grata am Wiener hof.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
II
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
716
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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