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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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Erfüllung meines Jugendtraumes stand unmittelbar bevor.  […] Ich hatte meine Feuer- probe glänzend bestanden und konnte einen wirklich großen und ehrlichen Erfolg feiern.“ 28 Musizieren als Kunst wurde in der Zwischenkriegszeit oftmals mit Ernsthaftig- keit verbunden. Die Entstehung einer sich selbst als autonom verstehenden Kunst, deren alleiniger Maßstab die Kunst selbst wäre, stand in Zusammenhang mit einem Verständnis von Kunst als Ersatzreligion. Kunst  – von den Ansprüchen der Funk- tionalität für soziale Ereignisse offiziell enthoben  – sollte selbst beurteilen, welche Leistungen und Fähigkeiten als künstlerisch zu gelten hätten  – und diesen Beurtei- lungen wurde große Bedeutung zugemessen.29 Die Verbindungen zwischen Ernst- haftigkeit und Kunst wurden etwa im obigen Zitat von der „ernsten künstlerischen Arbeit“ angesprochen, gänzlich offensichtlich wurden sie in der Unterscheidung von ernster (und daher künstlerisch wertvoller) Musik und Unterhaltungsmusik, die bereits seit Mitte des 19.  Jahrhunderts eine zentrale Rolle bei der Beurteilung von Musik und MusikerInnen einnahm.30 Wenn auch die Bezeichnung des ernsthaften Studiums nicht unmittelbar die for- mell als Studium bezeichnete Ausbildung an Akademie oder Hochschule meinte, so spielte diese Form des Erlernens des Musizierens doch eine wichtige Rolle für diese Referenz. Ernsthaft Studierende besuchten oftmals ein Konservatorium oder eine Akademie für Musik und bezeichneten ihre Ausbildung selbst als Studium. Vor allem zwei Aspekte dieser Ausbildung waren es, die sie stärker auf das ernsthafte Studium bezogen als etwa den Privatunterricht bei Berühmtheiten (der ja im Bereich des künstlerischen Musizierens, wie bereits beschrieben, ebenfalls eine große Rolle spielte). Zum einen hatte für das ernsthafte Studium die weiter oben beschriebene direkte ‚Übergabe‘ der Künstlerweihen von dem/der Lehrenden an den/die SchülerIn keine zentrale Bedeutung. Das ernsthafte Studium zielte vor allem auf den Nachweis ab, dass die Beschäftigung mit der Musik mit dem nötigen Eifer und der nötigen Nähe zur Musik vor sich ging. Bewertungen etwa der breiten Masse, ob man nun aufgrund der Ausbildung bei einer Berühmtheit auch selbst als Künstler zu werten sei, waren dafür zweitrangig. Pierre Bourdieu bezeichnet diese unterschiedlichen Kriterien von Erfolg für das Feld der Literatur als externe bzw. interne Hierarchisierung: 28 Weiss/Leopoldi (Hg.), Café, 23. 29 Vgl. dazu Hanns- Werner Heister, Konzertwesen, 688: „Das Konzertwesen bildete eine reale Grundlage  […] auch für fiktive Verhimmelungen wie den romantisch- literarischen Entwurf einer ‚absoluten‘ Musik, daran sich anschließende ‚Kunstreligion‘ und schließlich auch die bohemehaft- antibürgerliche Parole des L’art pour l’art“. 30 Linke, Materialien, 121 ff.; Giesbrecht- Schutte, 114 f.; Currid, Acoustics, 119 ff. Die heute noch gängige offizielle Unterscheidung in E- und U-Musik tauchte erstmals 1934 in Veröffent- lichungen des damaligen deutschen Rundfunks auf (Linke, Materialien, 123). Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Durch Musik ein Fortkommen finden184
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Title
Über die Produktion von Tönen
Subtitle
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Author
Georg Schinko
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Size
15.5 x 23.5 cm
Pages
310
Keywords
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
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