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Nachdem für Grümmer schon früh klar geworden war, dass er auch in Zukunft
musizieren würde, waren auch die Unterhaltstätigkeiten, die er während seines Stu-
diums betrieb, musikalischer Art. Die ersten davon, die er beschrieb, fielen in die
Zeit seines Studiums am Konservatorium:
Wir versuchten natürlich, etwas dazuzuverdienen. Mein Bruder hatte auch schon mit sei-
nem Klavierspiel gute Beziehungen angeknüpft. […] So verdiente ich mein erstes Geld
durch Geigenspiel
– drei Mark für die Zeit von 4 Uhr nachmittags bis 12 Uhr nachts.
[…]
Freilich verdiente ich nicht viel, und so ‚strippte‘ ich auf Empfehlung des Cellisten Rudolf
Krasselt, des späteren Opernchefs von Hannover, noch nebenbei auf Hochzeiten und ande-
ren Festlichkeiten, was mir je nachdem zwei bis zwölf Mark am Tag einbrachte.39
Wie weiter oben erwähnt, waren derart ‚niedrige‘ Engagements als Einstieg in das
ernsthafte Studium durchaus legitim. Wiederum unausgesprochen vorausgesetzt
wurde dabei, dass ein Zuverdienst natürlich musikalisch verdient werden musste.
Andere Unterhaltstätigkeiten wurden nicht erwähnt oder auch nicht in Betracht
gezogen. Hier war also die Ausschließlichkeit des Musizierens gesichert
– allerdings
auch dadurch, dass Grümmers Familie bis zu seiner Konservatoriumsausbildung
genügend finanzielle Mittel hatte, um ihm das Verdienen eigenen Unterhalts erspa-
ren zu können. Auch später bestritt er seinen Unterhalt nur durch Musik – vom
Mitspielen in Kurorchestern über Tourneen mit anderen VirtuosInnen bis hin zu
fixen Stellen in Orchestern und an musikalischen Hochschulen. Auch das Angebot
eines reichen Kaufmanns, bei hohem Gehalt in sein Geschäft einzutreten, über-
legte er zwar, lehnte es letztendlich aber ab.40 Bemerkenswert ist allerdings, dass
Grümmer nach der oben zitierten Beschreibung seines Einstiegs in das Musizieren
keine Bezahlung mehr erwähnte– was danach zählte, war nur die Musik selbst und
nicht der Verdienst dafür.
Grümmer beschrieb sein Musizieren durchwegs als Studium, verstanden als
künstlerische, nie abgeschlossene Entwicklung seiner Fähigkeiten. Schon seine Aus-
bildung am Konservatorium charakterisierte er dahingehend: „mit dem Cellospiel
ging es nun voran“,41 „erwarben wir uns eine größere Kenntnis der Kammermusik-
literatur“,42 „nur noch Aufträge übernahm, die mich auch künstlerisch förderten“.43
Auch nach Abschluss des Konservatoriums ging das Studium weiter:
39 Ebd., 11 f.
40 Ebd., 21.
41 Ebd., 12.
42 Ebd.
43 Ebd. Das ernsthafte Studium der Musik: Dominanz 187
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Über die Produktion von Tönen
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Title
- Über die Produktion von Tönen
- Subtitle
- Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
- Author
- Georg Schinko
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20802-0
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 310
- Keywords
- Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
- Category
- Kunst und Kultur