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Über die Produktion von Tönen - Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
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einzige gesunde Unterhaltung.“ 133 Es handelte sich also nicht nur um einen „not- leidenden Gelegenheitsmusiker“, der sich eine „Zubuße“ zum kärglichen Gehalt erspielte, sondern eben auch um einen Musizierenden aus Freude am Musizieren. Wie etwa die Alpenländische Musiker- Zeitung schrieb: „unsere Freude ist es, die edle Kunst zu pflegen und die sorgenvollen Tage unserer Zeit  […] aufzuheitern.“ 134 Diese Selbstunterhaltung stand für die Orientierung des Gelegenheitsmusizierens, aber nicht im Gegensatz zum Geldverdienen durch Musik  – ganz im Gegensatz etwa zu den Positionen der ernsthaft Studierenden und der Der- Musik- treu- Bleibenden, die privates und entgeltliches Musizieren streng voneinander trennten. So konnte das oben erwähnte Musizieren, bei dem man sich „prächtig unterhielt“, auch durch Naturalien entgolten werden. Überhaupt wurden die Entgelte, die Gierer durch sein Musizieren verdiente, spontan ausgehandelt und nicht vertraglich abgesichert. Dafür standen u. a. die Orte Gasthaus und privates Wohnhaus, an denen musiziert wurde. So berichtete Gierer über einen Auftritt in einem Gasthaus auf Wanderschaft: „Der Postenkommandant erschien und bat uns, mit ihm zu kommen, denn im Gasthaus fände eine Hochzeit statt. Wir gingen mit, spielten dort, erhielten genügend zu essen und zu trinken.“ 135 Oder auch: Wir marschierten bis an den Rand der Stadt und blieben dort in einem kleinen, einfachen Gasthaus. Als wir unser Beuschel gegessen hatten, sprach uns ein Mann an: ‚Ihr habt doch Instrumente mit, wollt ihr nicht ein bisserl was spielen?‘ Daraufhin spielten und sangen wir und hatten Applaus und bekamen zu trinken und nochmals zu essen; zum Schluß erklärte uns der Wirt, daß wir kostenlos über Nacht bleiben könnten.136 Franz Gierer verstand sich als Gelegenheitsmusiker. In seiner Erzählung nahm er  – wie viele, die über ihr Musizieren erzählten  – nicht explizit auf andere, legitimere Orientierungen Bezug. Er erzählte daher sein Tätigsein nicht als Mangel etwa gegenüber dem populären Erfolg durch Musik oder dem ernsthaften Studium, son- dern als eine eigene Form des Musizierens  – eben als Gelegenheitsmusizieren. Dass er andere Tätigkeiten dem Musizieren gegenüber (zumindest quantitativ) in den Vordergrund stellte, war nicht Zufall, sondern maßgeblich für diese Orientierung. 133 Ebd. 134 Alpenländische Musiker- Zeitung (1931), Nr.  4, 47. 135 Gierer/Annerl- Gierer (Hg.), Franz Gierer, 27. 136 Ebd., 25. Open Access © 2019 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO. KG, WIEN KÖLN WEIMAR Durch Musik ein Fortkommen finden222
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Über die Produktion von Tönen Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Title
Über die Produktion von Tönen
Subtitle
Beziehungen von Arbeit und Musizieren, Österreich 1918 – 1938
Author
Georg Schinko
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20802-0
Size
15.5 x 23.5 cm
Pages
310
Keywords
Music-making, Musician, Work, Vocation, Art, Austria, Correspondence analysis, Life Writing, Interwar period --- Musizieren, Musiker, Arbeit, Beruf, Kunst, Österreich, Korrespondenzanalyse, Lebensgeschichtliche Erzählung, Zwischenkriegszeit
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