Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tourismus und Klimawandel
Page - (000218) -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - (000218) - in Tourismus und Klimawandel

Image of the Page - (000218) -

Image of the Page - (000218) - in Tourismus und Klimawandel

Text of the Page - (000218) -

12.1.3 Österreichische Klimapolitik Infolge der Ratifizierung des Pariser Klimaabkommens und im Einklang mit der europĂ€ischen Klimapolitik stellte die österreichische Bundesregierung im Juni 2018 die finale Version einer österreichischen Klima- und Energiestrategie vor (BMNT und BMVIT 2018). Die darin enthaltenen Vor- gaben sind hauptsĂ€chlich auf das Jahr 2030 und teilweise auch auf 2050 ausgerichtet, weshalb die Strategie den Titel #mission2030 trĂ€gt. Die ĂŒbergeordneten Ziele der Strategie sind unter den Schlagwörtern ökologische Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und WettbewerbsfĂ€higkeit/Leistbar- keit zusammengefasst. Im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit sollen die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 36 % gegenĂŒber 2005 gesenkt werden. FĂŒr Wirtschaftssektoren, welche nicht im EU-Emissionshandel inkludiert sind, zu dem der Großteil der Tourismuswirtschaft gehört, liegt das Reduktionsziel bis 2030 bei −28 % gegenĂŒber 2016. Schwerpunkte sind dabei die Emissionen in den Bereichen Verkehr und GebĂ€ude. Beim Verkehr sollen Emissionen bis 2030 um 31,4 % gegenĂŒber dem aktuellen Stand gesenkt werden, bis 2050 soll schließlich die fossilfreie MobilitĂ€t erreicht werden. Im GebĂ€udesektor ist das Ziel bis 2030 eine Reduktion der Emissionen um 37,5 % gegenĂŒber dem aktuellen Stand. Bei der erneuerbaren Energie strebt Österreich aufgrund der gĂŒnstigen Voraussetzungen des Landes bis 2030 einen Anteil von 45–50 % an, deutlich ĂŒber dem EU-weiten Ziel, und der Stromverbrauch soll sogar zu 100 % aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Im Hin- blick auf die Energieeffizienz soll die PrimĂ€renergieintensitĂ€t (Energieeinsatz im VerhĂ€ltnis zum Bruttoinlandsprodukt) um 25–30 % gegenĂŒber 2015 gesenkt werden. Die Strategie gliedert sich in generelle Aufgaben, deren Umsetzung weitgehend offengelassen wurde, und konkrete Leuchtturmprojekte mit Angabe von ZustĂ€ndigkeiten, In- strumenten und dem jeweiligen Zeithorizont. Durch Letztere sollen die ersten Schritte zur Implementierung der Strategie gesetzt werden. Bei den Aufgaben sind fĂŒr den Tourismus vor allem die Vorgaben in den Bereichen MobilitĂ€t und GebĂ€ude von Interesse. Infrastruktur fĂŒr E-MobilitĂ€t, den öffentlichen Verkehr sowie Fuß- und Radwege sollen ausgebaut werden, besonders auch im lĂ€ndlichen Raum. AusdrĂŒcklich wird dabei die Wichtigkeit des MobilitĂ€tsmanagements im Tourismus erwĂ€hnt. Zudem soll es ein neues österreichweites Tarif- und Vertriebssystem fĂŒr den öffentlichen Verkehr geben. Im Hin- blick auf den GebĂ€udesektor wird die EU-Vorgabe befolgt, dass Neubauten nach 2020 NiedrigenergiegebĂ€ude sein mĂŒs- sen. Des Weiteren soll die Sanierungsrate von derzeit 1 % auf 2 % im Zeitraum 2020–2030 angehoben werden. Ein weiterer Aspekt, der fĂŒr touristische Unternehmen von Interesse sein wird, ist die AnkĂŒndigung eines Förderpro- gramms zum Energiesparmanagement bei kleinen und mitt- leren Unternehmen, welches auch Kosteneinsparungen und damit Wettbewerbsvorteile bringen soll. FĂŒr den Tourismus relevant sind zudem auch die Anmerkungen zu kleinskaligen Stromerzeugungsanlagen, welche aktuell bereits beispiels- weise von einigen Skigebieten betrieben werden (hierzu ge- hört etwa die Nutzung einer Beschneiungsanlage zur Strom- gewinnung außerhalb der Wintermonate und der Einsatz von Fotovoltaik an GebĂ€uden). Die Errichtung derartiger Anlagen soll durch Abbau von Investitionshemmnissen erleichtert werden, unter anderem durch eine Novelle des Umweltver- trĂ€glichkeitsprĂŒfungsgesetzes (UVP-G). Auf all diese Bereiche soll auch in den Leuchtturm- projekten bereits kurzfristig eingegangen werden. Im Be- reich GebĂ€ude sollen effizientere, einfach zugĂ€ngliche Programme zur Sanierungsförderung entwickelt werden, auch fĂŒr BetriebsgebĂ€ude. Hinsichtlich E-MobilitĂ€t sol- len die involvierten Akteure (dabei wird ausdrĂŒcklich der Tourismussektor erwĂ€hnt) ĂŒber Anreize und Fördersysteme motiviert und bei der Umsetzung unterstĂŒtzt werden. Bei- spielsweise geht es hierbei um E-Carsharing, E-Taxisys- teme, bedarfsorientierte E-MobilitĂ€tsservices, elektrische Bedarfsbusangebote, E-Bikeverleihsysteme. Zudem soll der schienengebundene Verkehr ausgebaut werden. In erster Linie betrifft dies den Nahverkehr in BallungsrĂ€umen, es sollen aber auch neue Nachtzugverbindungen eingerichtet werden, um die Zahl der KurzstreckenflĂŒge zu verringern. Zu den einzelnen „LeuchttĂŒrmen“ werden jeweils auch die zustĂ€ndigen Verwaltungseinheiten (Ministerien, LĂ€nder etc.) genannt sowie auch mögliche Förderinstrumente und ein grober Zeithorizont zur Umsetzung. Genauere Angaben zu DurchfĂŒhrung und Finanzierung der einzelnen Maßnahmen gibt es jedoch nicht. Auf Grundlage der Klima- und Energiestrategie wurde der Nationale Energie- und Klimaplan (NEKP) erstellt, der bis Ende 2019 an die EuropĂ€ische Kommission zu ĂŒbermitteln ist. Der erste Entwurf erntete viel Kritik, u. a. von wissen- schaftlicher Seite, und wurde auch von der EuropĂ€ischen Kommission zurĂŒckgewiesen. Auf Initiative des Vertreters der Wissenschaft im Nationalen Klimaschutzkomitee Gott- fried Kirchengast (Uni Graz, ÖAW), Helga Kromp-Kolb (BOKU), Karl Steininger (Uni Graz) und Sigrid Stagl (WU) wurde ein Referenzplan als Grundlage fĂŒr einen wissenschaft- lich fundierten und mit den Pariser Klimazielen in Einklang stehenden Nationalen Energie- und Klimaplan fĂŒr Österreich (Ref-NEKP) erstellt (Kirchengast et al. 2019). Den Tourismus (indirekt) betreffend hervorzuheben sind dabei Forderungen nach einer Besteuerung des Flugverkehrs, der Ausbau des in- ternationalen Bahnverkehrs und der NachtreisezĂŒge sowie die Entwicklung eines verlĂ€sslichen Buchungssystems fĂŒr inter- nationale Bahnreisen. WĂ€hrend beispielweise der Ausbau der NachtreisezĂŒge aufgenommen wurde, sind eine weitere Öko- logisierung des Anreiz-, Förder- und Steuersystems oder die Ausweitung des Handelssystems (ETS) auf weitere Sektoren auch im finalen Plan, der im Dezember 2019 vorgelegt wurde, 12 Nationale Verpflichtungen auf Grundlage des Pariser Klimaabkommens 211
back to the  book Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tourismus und Klimawandel