Page - (000248) - in Tourismus und Klimawandel
Image of the Page - (000248) -
Text of the Page - (000248) -
zählt darüber hinaus auch die Kennzeichnung von Produk-
ten, die Zertifizierung und Bewertung sowie Schulungen und
Wettbewerbe ebenfalls zu den Maßnahmen zur Bewusstseins-
bildung. Im Allgemeinen zielen alle diese Instrumente darauf
ab, den möglichen Einfluss unvollständiger Information zu
korrigieren, um es den Akteuren zu ermöglichen, begründete
Entscheidungen zu treffen (Vetter et al. 2017).
Der CO2-Fußabdruck gehört zu den Bereichen, in denen
Verbraucher besonders unsicher sind, über dessen Darstellung
jedoch viele verhaltensrelevante Informationen vermittelt
werden könnten. Ansatzpunkte für eine weiterführende Dis-
kussion hierfür siehe Abb. 13.14.
Bewusstseinsbildung zielt darauf ab, die Ansichten der
Bürger zu einem Thema (z. B. Klimawandel) zu formen,
ggf. zu ändern und nachhaltiges Verhalten zu fördern
(Klege et al. 2018). Durch eine erfolgreiche Informations-
politik könnte potenziell auch das Ausmaß zusätzlicher po-
litischer und wirtschaftlicher Maßnahmen sowie sozialer
Anpassungsmaßnahmen verringert werden. Darüber hinaus
hat sich herausgestellt, dass eine Informationspolitik sinn-
voll mit anderen Instrumenten kombiniert werden kann und
teilweise auch eine wesentliche Voraussetzung für andere
(insbesondere normative und wirtschaftliche) Instrumente
darstellt. Vielfach sind normative oder ökonomische Instru-
mente nur dann verständlich und nachvollziehbar, wenn
die Adressaten im Voraus ausreichend informiert werden
(Rehbogen et al. 2020).
Zahlreiche Autoren weisen jedoch im Zusammenhang mit
dem Klimawandel darauf hin, dass die Kommunikation und
Information deswegen erschwert sind, weil Maßnahmen ge-
nerationsübergreifend wirken und damit die Sensibilisierung
eine besondere Herausforderung darstellt. Diverse Studien
zeigten, dass vor allem eine zielgruppenspezifische Anspra-
che erforderlich ist (vgl. Prutsch et al. 2014; Pröbstl-Haider
et al. 2018). Insgesamt zählen folgende Aspekte zu den
Erfolgsfaktoren (vgl. Vetter et al. 2017; Klege et al. 2018):
• Kenntnis der ausgewählten Zielgruppe sowie deren
aktuelles Verhalten und Vorlieben (im Tourismus ins-
besondere im Hinblick auf Urlaubersegmente und deren
Motive), • angemessen entwickelte und leicht zugängliche Infor-
mationen,
• etablierte und benutzerfreundliche Informationskanäle,
• ansprechende Aufbereitung und Gestaltung zur För-
derung der Aufgeschlossenheit der Zielgruppen und
Beteiligten gegenüber Verhaltensänderungen,
• ausreichende organisatorische Ressourcen und Glaub-
würdigkeit des Informationsanbieters.
Es zeigt sich, dass überregionale Vernetzungen sowie eine
europaweite Betrachtung an Bedeutung gewinnen. Bei-
spiel dafür sind die aktuellen Ansätze zur Sensibilisierung
und Information auf europäischer Ebene unter anderem im
Zusammenhang mit der Unterstützung und Mobilisierung
übernationaler Klimanetzwerke, wie den EU-Bürgermeis-
terpakt für Klima und Energie und den UN-Pakt der Bürger-
meister. Im Bereich touristischer Anbieter fehlt diese starke
überregionale Initiative. Vielfach ist die Denkweise noch
immer eher durch Abgrenzung der Destinationen (natio-
nal und europaweit) bestimmt. Die Anpassung auf lokaler
Ebene wird daher nur langsam in die Beratungsleistungen
lokaler Berater und Beratungsverbände einbezogen (Vetter
et al. 2017).
Weitere Initiativen werden auch durch eine europäische
Richtlinie gefördert (EU-Verordnung 2017/1926). Dies
gilt insbesondere im Hinblick auf die Zugänglichkeit zu
digitalen Informationen und die Vernetzung von Verkehrs-
mitteln.
Neben dem Schließen von Informationslücken bezie-
hungsweise dem verbesserten Zugang zu Informationen muss
auch ein schrittweiser Bewusstseinswandel bei Anpassungs-
strategien im Tourismus mitgedacht werden. Umfragen (z. B.
BMUB und UBA 2016) zeigen, dass das klima- und umwelt-
spezifische Problembewusstsein in westlichen Gesellschaf-
ten relativ gut ausgeprägt ist. Dies resultiert allerdings nicht
immer in ökologischem Handeln (sog. Attitude-Behaviour-
Gap). In diesem Zusammenhang stellen sich für die Branche
wichtige Fragen:
• Welche Angebote werden jetzt schon erfolgreich ge-
nutzt? Inwieweit müssen bestehende Angebote angepasst
Abb. 13.14 Angaben auf
Buchungsplattformen könnten
einen wichtigen Beitrag zur In-
formation der Reisenden leisten Was wäre, wenn jede Touristin und jeder Tourist bereits in der Urlaubsplanung über den CO2-
Fußabdruck der geplanten Reise Bescheid wüsste (z. B. durch entsprechendes Labeling auf
Buchungsplattformen)?
Würden mehr Urlauberinnen und Urlauber in Österreich bleiben, statt eine Fernreise zu
unternehmen?
Was müssten Tourismusdestinationen/Hotellerie-Betriebe tun, um im Wettbewerb hinsichtlich
der öffentlichen Erreichbarkeit nicht zu verlieren? Welche Angebote müssen dafür geschaffen
werden?
Wie können Tourismusdestinationen/Hotellerie-Betriebe klimabewusste Gäste verstärkt
ansprechen und informieren? Globale Entwicklung und nationale
Verpflichtungen242
back to the
book Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
- Title
- Tourismus und Klimawandel
- Authors
- Ulrike Pröbstl-Haider
- Dagmar Lund-Durlacher
- Marc Olefs
- Franz Prettenthaler
- Publisher
- Springer Spektrum
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-662-61522-5
- Size
- 21.0 x 28.0 cm
- Pages
- 263