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Tourismus und Klimawandel
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zählt darüber hinaus auch die Kennzeichnung von Produk- ten, die Zertifizierung und Bewertung sowie Schulungen und Wettbewerbe ebenfalls zu den Maßnahmen zur Bewusstseins- bildung. Im Allgemeinen zielen alle diese Instrumente darauf ab, den möglichen Einfluss unvollständiger Information zu korrigieren, um es den Akteuren zu ermöglichen, begründete Entscheidungen zu treffen (Vetter et al. 2017). Der CO2-Fußabdruck gehört zu den Bereichen, in denen Verbraucher besonders unsicher sind, über dessen Darstellung jedoch viele verhaltensrelevante Informationen vermittelt werden könnten. Ansatzpunkte für eine weiterführende Dis- kussion hierfür siehe Abb. 13.14. Bewusstseinsbildung zielt darauf ab, die Ansichten der Bürger zu einem Thema (z. B. Klimawandel) zu formen, ggf. zu ändern und nachhaltiges Verhalten zu fördern (Klege et al. 2018). Durch eine erfolgreiche Informations- politik könnte potenziell auch das Ausmaß zusätzlicher po- litischer und wirtschaftlicher Maßnahmen sowie sozialer Anpassungsmaßnahmen verringert werden. Darüber hinaus hat sich herausgestellt, dass eine Informationspolitik sinn- voll mit anderen Instrumenten kombiniert werden kann und teilweise auch eine wesentliche Voraussetzung für andere (insbesondere normative und wirtschaftliche) Instrumente darstellt. Vielfach sind normative oder ökonomische Instru- mente nur dann verständlich und nachvollziehbar, wenn die Adressaten im Voraus ausreichend informiert werden (Rehbogen et al. 2020). Zahlreiche Autoren weisen jedoch im Zusammenhang mit dem Klimawandel darauf hin, dass die Kommunikation und Information deswegen erschwert sind, weil Maßnahmen ge- nerationsübergreifend wirken und damit die Sensibilisierung eine besondere Herausforderung darstellt. Diverse Studien zeigten, dass vor allem eine zielgruppenspezifische Anspra- che erforderlich ist (vgl. Prutsch et al. 2014; Pröbstl-Haider et al. 2018). Insgesamt zählen folgende Aspekte zu den Erfolgsfaktoren (vgl. Vetter et al. 2017; Klege et al. 2018): • Kenntnis der ausgewählten Zielgruppe sowie deren aktuelles Verhalten und Vorlieben (im Tourismus ins- besondere im Hinblick auf Urlaubersegmente und deren Motive), • angemessen entwickelte und leicht zugängliche Infor- mationen, • etablierte und benutzerfreundliche Informationskanäle, • ansprechende Aufbereitung und Gestaltung zur För- derung der Aufgeschlossenheit der Zielgruppen und Beteiligten gegenüber Verhaltensänderungen, • ausreichende organisatorische Ressourcen und Glaub- würdigkeit des Informationsanbieters. Es zeigt sich, dass überregionale Vernetzungen sowie eine europaweite Betrachtung an Bedeutung gewinnen. Bei- spiel dafür sind die aktuellen Ansätze zur Sensibilisierung und Information auf europäischer Ebene unter anderem im Zusammenhang mit der Unterstützung und Mobilisierung übernationaler Klimanetzwerke, wie den EU-Bürgermeis- terpakt für Klima und Energie und den UN-Pakt der Bürger- meister. Im Bereich touristischer Anbieter fehlt diese starke überregionale Initiative. Vielfach ist die Denkweise noch immer eher durch Abgrenzung der Destinationen (natio- nal und europaweit) bestimmt. Die Anpassung auf lokaler Ebene wird daher nur langsam in die Beratungsleistungen lokaler Berater und Beratungsverbände einbezogen (Vetter et al. 2017). Weitere Initiativen werden auch durch eine europäische Richtlinie gefördert (EU-Verordnung 2017/1926). Dies gilt insbesondere im Hinblick auf die Zugänglichkeit zu digitalen Informationen und die Vernetzung von Verkehrs- mitteln. Neben dem Schließen von Informationslücken bezie- hungsweise dem verbesserten Zugang zu Informationen muss auch ein schrittweiser Bewusstseinswandel bei Anpassungs- strategien im Tourismus mitgedacht werden. Umfragen (z. B. BMUB und UBA 2016) zeigen, dass das klima- und umwelt- spezifische Problembewusstsein in westlichen Gesellschaf- ten relativ gut ausgeprägt ist. Dies resultiert allerdings nicht immer in ökologischem Handeln (sog. Attitude-Behaviour- Gap). In diesem Zusammenhang stellen sich für die Branche wichtige Fragen: • Welche Angebote werden jetzt schon erfolgreich ge- nutzt? Inwieweit müssen bestehende Angebote angepasst Abb. 13.14 Angaben auf Buchungsplattformen könnten einen wichtigen Beitrag zur In- formation der Reisenden leisten Was wäre, wenn jede Touristin und jeder Tourist bereits in der Urlaubsplanung über den CO2- Fußabdruck der geplanten Reise Bescheid wüsste (z. B. durch entsprechendes Labeling auf Buchungsplattformen)? Würden mehr Urlauberinnen und Urlauber in Österreich bleiben, statt eine Fernreise zu unternehmen? Was müssten Tourismusdestinationen/Hotellerie-Betriebe tun, um im Wettbewerb hinsichtlich der öffentlichen Erreichbarkeit nicht zu verlieren? Welche Angebote müssen dafür geschaffen werden? Wie können Tourismusdestinationen/Hotellerie-Betriebe klimabewusste Gäste verstärkt ansprechen und informieren? Globale Entwicklung und nationale Verpflichtungen242
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Tourismus und Klimawandel
Titel
Tourismus und Klimawandel
Autoren
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Verlag
Springer Spektrum
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Abmessungen
21.0 x 28.0 cm
Seiten
263
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