Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tourismus und Klimawandel
Page - (000249) -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - (000249) - in Tourismus und Klimawandel

Image of the Page - (000249) -

Image of the Page - (000249) - in Tourismus und Klimawandel

Text of the Page - (000249) -

werden, damit diese verstärkt von Konsumentinnen und Konsumenten angenommen werden? • Wie können touristische Unternehmen dazu motiviert werden, klimaschonende Angebote anzubieten? • Wie weit können diese alleine auf Freiwilligkeit basieren (Corporate Social Responsibility), wo müssen sie durch Förderungen und Gütesiegel gefördert, gefordert und unterstützt werden und wo sollte der Staat regulierend durch Verbote und Gebote eingreifen? Die Diskussion mit den Stakeholdern im Rahmen der Be- richterstellung zeigte darüber hinaus, dass die Art und die Inhalte der bereitgestellten Information sich ändern müssen. War vor fünf Jahren die Information zum Klimawandel und seinen potenziellen Folgen wichtig, so steht heute die ge- zielte Information über Adaptation und Mitigation in den jeweiligen Bereichen im Mittelpunkt. Anstelle eines all- gemeinen Hinweises auf eine klimaschonende Anreise muss in Zukunft die destinations- und betriebsspezifische Infor- mation stehen. Die Einführung der sogenannten Mobilitäts- beratung ist ein wichtiger Schritt. Die Beratung kann zum Beispiel das Team an der Rezeption unterstützen und ganz konkret die verfügbaren Angebote für eine klimaschonende Anreise zusammenzustellen und durch Ausflugsangebote für den Gast ergänzen. Nicht nur im Bereich der Mobilität ist eine zusätzliche, maßgeschneiderte Beratung notwendig, sondern auch in anderen Bereichen. Wenn sich unter dem Eindruck der Klimadiskussion, aber auch Informationen zum Tierwohl und der Gesundheitsvorsorge die Einstellung gegenüber der Art und dem Umfang des Fleischkonsums ändert, dann muss der Tourismus auch in diesem Bereich reagieren, diese Bewusstseinsänderung positiv aufgreifen und idealerweise verstärken. Dies kann zum Beispiel durch Schulungen in vegetarischer und veganer Küche für die Betriebe erfolgen. Abb. 13.15 verdeutlicht, welche Heraus- forderungen sich in diesem Zusammenhang für die Branche ergeben könnten. Eine Möglichkeit, Nachhaltigkeitsaspekte zu kommuni- zieren, besteht darin, dem Gast offen Nachhaltigkeitsinfor- mationen zur Verfügung zu stellen. Lee und Oh (2014) geben einen Überblick über Theorien zur Informationsverarbeitung und kategorisieren anhand dieses Frameworks Informations- schilder in Hotelzimmern zur Wiederverwendung von Hand- tüchern und Bettwäsche. Sie unterscheiden zwischen: • Framing Theory: Framing bedeutet die Präsentation von Informationen in verschiedenen Wertigkeiten (positiv oder negativ). In Bezug auf Nachhaltigkeits- kommunikation kann dies bedeuten, die positiven Auswirkungen, z. B. der Einsparung von Ressourcen, zu betonen. Eine negative Konnotation würde dagegen die negativen Auswirkungen betonen, die ein Verzicht auf Ressourcensparen nach sich ziehen würde. • Regulatory Focus Theory: Diese Theorie unterscheidet zwischen der Betonung der Förderung bestimmter Ziele (Förderung von Ressourcenschonung) bzw. der Ver- meidung negativer Auswirkungen (Vermeidung von Ressourcenverschwendung). • Construal Level Theory: erklärt den Einfluss der psychologischen Distanz auf die kognitive Deutung eines Umstands. Während Nachrichten auf hoher psychologischer Ebene dabei das „Warum?“ (abstrakt) betonen, fokussieren sich psychologische niederschwel- lige Botschaften auf das „Wie?“ (konkret, handlungs- orientiert). Ebenso sind niederschwellige Botschaften eher an der Gegenwart orientiert als Botschaften auf höherer Ebene. • Relevance: Bezieht sich auf den Einfluss des Bezugs- punkts. Demnach kann eine Botschaft individuum- orientiert („Mein Verhalten ist gut für mich selbst“) oder gesellschaftsorientiert sein („Mein Verhalten unterstützt gesellschaftliche Nachhaltigkeitsbestrebun- gen“). Diese Theorien wurden für experimentelle Tests im Zusam- menhang mit der Gästekommunikation und der Entwicklung von nachhaltigen gastronomischen Angeboten zugrunde ge- legt (Antonschmidt und Lund-Durlacher 2018). Abb. 13.15 Ein verändertes Er- nährungsbewusstsein beeinflusst die touristischen Produkte Was wäre, wenn der Anteil der Personen, die fleischlose Kost bevorzugen, bis 2030 auf 33 % ansteigt (der Anteil liegt aktuell bei ca. 10 %)? Beeinflusst dieser Trend die Produktion in der heimischen Landwirtschaft und kann der veränderte Bedarf lokal gedeckt werden? Hat dies Auswirkungen auf die Logistik (inkl.Verpackung, Lagerung, Transportmittel etc.)wenn zum Beispielweniger Gefriergut und mehr Frischprodukte eingesetzt werden? Welche neuen Rezepte müssen entwickelt werden, um ein attraktives Speisenangebot anbieten zu können? Welche Effekte und Wahrnehmungen erzeugt ein entsprechendes Angebot bei den Gästen? Wird dadurch auch –über den Inlandstourismus –die Gesundheit der Bevölkerung gefördert? 13 Ableitung von Handlungsoptionen 243
back to the  book Tourismus und Klimawandel"
Tourismus und Klimawandel
Title
Tourismus und Klimawandel
Authors
Ulrike Pröbstl-Haider
Dagmar Lund-Durlacher
Marc Olefs
Franz Prettenthaler
Publisher
Springer Spektrum
Date
2021
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-662-61522-5
Size
21.0 x 28.0 cm
Pages
263
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Tourismus und Klimawandel