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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren - Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
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Tragsessel in der spanischen Monarchie des 16 und 17 Jahrhunderts 175 Diese und andere Schmähschriften428 nahmen wohl Einfluss auf die von Philipp IV. am 21. Februar 1634 erlassene Verordnung, in der bestimmt wurde, dass keine Frau von mehr als vier Knappen begleitet werden dürfe und dass hinsichtlich der Lakaien die bereits er- lassenen Vorschriften einzuhalten seien: Wir verfügen, dass keine Frau, unabhängig von ihrem Stand, Rang oder ihrer Eigenschaft, egal ob es sich um eine Frau mit Adelstitel handelt oder ob sie zu den Granden zählt, sich von mehr als vier Knappen oder Gentileshombres begleiten lassen darf, weder in der Funk- tion eines Dieners, Verwandten oder Angehörigen noch in irgendeiner anderen Eigenschaft oder unter anderem Vorwand, und dass weder die oben Erwähnten noch irgendeine andere von ihnen zu Fuß, zu Pferd oder auf irgendeine andere Weise von mehr als der erwähnten Zahl an Gentileshombres oder Knappen begleitet werde, unabhängig davon, in welcher Form auch immer die oben Erwähnten ausgehen, ob sie das Haus nun in Tragsesseln oder Kutschen verlassen. Überzählige Begleitpersonen hatten mit einer zweijährigen Haftstrafe zu rechnen. Jene Personen aber, die sich vorschriftswidrig begleiten ließen, mussten für den Unterhalt ihrer inhaftierten Begleiter sorgen und erhielten zusätzlich eine Strafe, die sich beim ersten Ver- stoß auf 60.000 Maravedís und beim zweiten auf 100.000 Maravedís belief und bei der dritten Übertretung schließlich eine einjährige Verbannung bedeutete.429 Ließ sich der hohe Aufwand, der sich bei den Begleitungen eingebürgert hatte, auf diese Weise ein- dämmen? Bereits erwähnte Augenzeugenberichte der 1640er Jahre legen das Gegenteil nahe. Mehrere Darstellungen veranschaulichen deutlich, dass die Zahl der am Hof tätigen 428 Ein anderer Autor, der der Frage nachging, welchen Gefahren sich Sesselträger und Sänftenknechte aussetzten, merkte an: „Sollen andere es berurteilen; ich begnüge mich damit, darauf hinzuweisen, was Tertullian über Christenfrauen sagte, die mit Ungläubigen sprachen, nur weil diese ihnen ver- sicherten, sie in Tragsesseln tragen und von zahlreichen Knappen von reckenhafter Gestalt, mit geschmückten Locken und Haarschöpfen, begleiten zu lassen, und dass der Stifter solcher Ehen der Teufel selbst sei“. („Ponderenlo otros; que yo sólo me contento con referir lo que dixo Tertuliano, hablando de las mugeres Christianas, que hablaban con infieles, sólo porque las prometían que las traerían en sillas, i acompañadas con número de escuderos de gallardos talles, i de adornadas Guedejas, i copetes; i que el demonio era el casamentero de semejantes bodas“.) Gutierre Marqués de Careaga, Invectiva en dis- cursos apologéticos contra el abuso público de las guedejas (Madrid 1637), BNE 2/58578, fol. 44r–v. 429 „[…] Mandamos que ninguna mujer de cualquier estado, calidad y condición que sea, aunque sea o haya sido mujer de título, o grande, pueda acompañarse con más de 4 escuderos o gentileshombres, ni con título de criados, ni de parientes o allegados, ni con otro título ni pretexto alguno, ni acompañen a las susodichas, ni a ninguna dellas a pie, ni a caballo, en cualquiera manera que las susodichas salgan, o anden fuera de sus casas en silla o coche, o en otra forma, más gentileshombres o escuderos que hasta el dicho número“. Novísima Recopilación (Madrid 1775 und 1805), Libro VI, Título XVI, ley 6. Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Title
Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Subtitle
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
Author
Mario Döberl
Editor
Alejandro López Álvarez
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20966-9
Size
17.5 x 24.7 cm
Pages
432
Categories
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