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fristig gesichert. Noch am Nachmittag desselben Tages wurde der kleine Prinz getauft. Für
jene Jahre lässt sich für den Kaiserhof erstmals die Verwendung eines Tragsessels im Rah-
men des Taufzeremoniells nachweisen. Es ist jedoch trotz einer anderslautenden Mitteilung
eher unwahrscheinlich, dass ein solcher bereits bei der Taufe Ferdinands IV. zum Einsatz
kam. Sacchetti berichtete, dass Gräfin Siruela, die Obersthofmeisterin der Königin, in de-
ren Tragsessel in den großen Saal der Wiener Hofburg, in dem die Zeremonie stattfand,
getragen worden sei und dass die Gräfin dabei das Neugeborene im Arm gehalten habe.114
Franz Christoph Khevenhüller schreibt hingegen, dass das Kind damals in einem mit Perlen
bestickten „Fäsch-Bett“115 von Graf Thun, dem Obersthofmeister des Kindsvaters, zur Taufe
gebracht worden sei. Dieses „Fäsch-Bett“ sei aber so schwer gewesen, dass auch der Oberst-
hofmeister der Königin, Franz Christoph von Khevenhüller, und der Oberststallmeister des
Königs, Maximilian von Waldstein, mit anpacken mussten, um das Kind sicher zum Ort
der Taufe zu bringen.116 In diesem Fall können wir der Version Khevenhüllers wohl größeres
Vertrauen schenken als jener Sacchettis, da Khevenhüller nach eigenen Angaben selbst das
Bettchen tragen half, während aus Sacchettis Schreiben nicht einmal hervorgeht, ob er selbst
Augenzeuge der Taufe war oder nur aus zweiter Hand vom Ablauf der Zeremonie erfahren
hatte. Vermutlich kam bei der Taufe Ferdinands IV. also kein Tragsessel zum Einsatz. Interes-
sant ist dabei jedoch, dass es für Sacchetti – möglicherweise aufgrund von Erfahrungen, die
er an anderen Höfen gemacht hatte – offenbar gar nicht denkbar war, dass bei diesem Anlass
ein anderes Tragevehikel als ein Tragsessel zu Einsatz gekommen sein könnte.
Als Maria Anna 1634 erneut in anderen Umständen war, beschloss sie im Sommer trotz
hoher Temperaturen und ihres bereits fortgeschrittenen Schwangerschaftsstadiums, von
Wien nach Passau zu reisen, um dort ihren jüngeren Bruder, den Kardinalinfanten Fer-
dinand, zu treffen. Mit großem Gefolge brach sie am 14. Juli per Schiff von Wien auf. In
Klosterneuburg, der ersten Station der flussaufwärts führenden Reise, ließ sich die Königin
114 Doppo questo le mm[aes]tà, et alt[ezz]e calorno nella gran sala venendo imediatam[en]te dietro all’im-
p[erato]re et imp[eratri]ce la sedia stessa della regina, nella quale era la contessa di Ziruola sua mai-
ordoma mag[gio]re, che portava la creatura, et avanti in test’alla sala, dove eretto un altare, fu tenuta
al sacrofonte dall imp[erato]re, et imp[eratri]ce, in nome del re, et regina catt[oli]ci, et battezzata dal
cardinale Dietristain col nome di Ferdinando Francesco; […].” Toskanischer Botschafter Niccolò
Sacchetti, Wien 1633 September 20, ASF, MdP, filza 4388, unfol. Keine Einzelheiten zur Taufzere-
monie erfahren wir aus den Berichten des päpstlichen Nuntius und des venezianischen Gesandten
am Kaiserhof. Vgl. Nuntiaturberichte aus Deutschland nebst ergänzenden Aktenstücken, 4. Abt.:
Siebzehntes Jahrhundert, Bd. 6: Rotraut Becker (Bearb.), Nuntiatur des Ciriaco Rocci. Ausser-
ordentliche Nuntiatur des Girolamo Grimaldi. Sendung des P. Alessandro d’Ales (1633–1634) (Ber-
lin/Boston 2016), S. 153; ÖStA, HHStA, Venedig, DdG, Bd. 77.
115 Khevenhüller 1721–1726 (wie Anm. 61), Bd. 11, Sp. 496. Unter einem „Fäsch-Bett“ ist vermutlich
ein Bett für ein Neugeborenes zu verstehen, das in Binden (Faschen) eingewickelt war.
116 Ebenda.
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
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Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Title
- Tragsessel in europäischen Herrschaftszentren
- Subtitle
- Vom Spätmittelalter bis Anfang des 18. Jahrhunderts
- Author
- Mario Döberl
- Editor
- Alejandro López Álvarez
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20966-9
- Size
- 17.5 x 24.7 cm
- Pages
- 432
- Categories
- Geschichte Vor 1918