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8.4. DIE BIBLIOTHEK ALS WISSENSCHAFTLICHES INSTRUMENT 415
Ära Thun, angeregt von dessen Unterstaatssekretär Helfert, Pläne für den
geregelten Zugang zum Bibliotheksdienst diskutiert worden, eine defini-
tive Regelung fand jedoch nicht statt.75 Im Entwurf für die angedachte Zu-
gangsprüfung waren sowohl die Zugangsbestimmungen (im Wesentlichen
Sprachkenntnisse und abgeschlossene Studien) als auch die verlangten bib-
liothekarischen Kenntnisse angeführt. In erster Linie waren dies: die Enzy-
klopädie der Wissenschaften, Sprachen, Bibliographie und Diplomatik und
Bibliothekswissenschaft im engeren Sinn, worunter man „die Kenntnisse
der hervorragendsten Bibliotheken der Gegenwart und der verschiedenen
Arten, eine Bibliothek einzurichten und zu verwalten“76 verstand. Der lei-
tende Grundsatz bei dem Vorhaben war nach Ansicht von Salomon Frankf-
urter jener, „dass der Nachweis allgemeiner wissenschaftlicher Vorbildung
und sprachlicher Kenntnisse von dem Nachweise der speciellen Bildung für
den Bibliotheksdienst zu unterscheiden sei.“77 Dies zeigt, dass man zwar
durchaus eine Vorstellung eines eigenen Berufsbildes ‚Bibliothekar‘ besaß,
zu einer Verabschiedung des Gesetzesentwurfs und der damit verbundenen
Anerkennung des Berufsbildes ist es allerdings nicht gekommen. Als Grund
gibt Ferdinand Grassauer das negative Gutachten Professor Franz Miklo-
sichs an, der eine derartige Regelung als zu weitgehend betrachtete und die
damalige Praxis als ausreichend empfand.78 So wurde die Bibliothekaraus-
bildung auch in der Folge nicht geregelt, vielmehr war es üblich geworden,
„an der Wiener Universitätsbibliothek den Nachwuchs für die österreichi-
schen Staatsbibliothekare heranzubilden.“79 Zugleich prägte das ‚Handbuch
gewesen zu sein, dass der Bibliotheksdienst eine Art Auffangbecken oder Übergangssta-
dium für Akademiker war, die (vorerst) keine Stelle an einer Universität fanden. Vgl. Sa-
lomon frankfurter, Die Qualification für den staatlichen Bibliotheksdienst in Österreich.
Vortrag gehalten im Österreichischen Verein für Bibliothekswesen in Wien am 19. Februar
1898, Wien 1898, S. 16; auch bei LHotsky, Geschichte des Instituts für Österreichische Ge-
schichtsforschung 1854–1954, S. 129.
75 Vgl. frankfurter, Die Qualification für den staatlichen Bibliotheksdienst in Österreich, S.
6–8.
76 Entwurf einer Vorschrift über die Prüfung der Candidaten des Bibliotheksdienstes, in: Sa-
lomon Frankfurter (Hg.), Die Qualification für den staatlichen Bibliotheksdienst in Oester-
reich. Vortrag gehalten im oesterreichischen Verein für Bibliothekswesen in Wien, Wien
1898, S. 27–31, § 4.
77 frankfurter, Die Qualification für den staatlichen Bibliotheksdienst in Österreich, S. 8,
vgl. dazu auch die begründenden Notizen zum Entwurf des Gesetzes, siehe ebenda S. 7.
78 Siehe frankfurter, Die Qualification für den staatlichen Bibliotheksdienst in Österreich,
S. 8–9.
79 Alois Jesinger, Die Universitätsbibliothek Wien, in: Zentralblatt für das Bibliothekswesen
43 (1926), S. 438–460.
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Aufbruch in eine neue Zeit
- Title
- Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
- Subtitle
- Aufbruch in eine neue Zeit
- Author
- Christof Aichner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20847-1
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 512
- Keywords
- University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen