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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 - Aufbruch in eine neue Zeit
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9 SCHLUSS442 zu verstehen sei, gab es unterschiedliche Vorstellungen. Die Diskussionen um den katholischen Charakter der Universität zeigten, dass es jedoch eher diffuse Vorstellungen von einer katholischen Wissenschaft gab, die sich hauptsächlich in Abgrenzung zum Protestantismus und den Universitäten in protestantischen Gebieten Deutschlands definierte. Für Thun bedeutete dies etwa eine Lehre, die sich an den Dogmen der Kirche orientierte und nichts Entgegengesetztes verbreitete. Allerdings glaubte er, dass nur eine staatliche Anstalt und nicht eine kirchliche Universität der mittlerweile enorm differenzierten Wissenschaft genügen könne.39 George Phillips, Ultramontaner und Berater Thuns, näherte sich der Bestimmung von den Aufgaben einer katholischen Wissenschaft über die Abgrenzung von einer „auf dem Boden des Protestantismus erwachsenen Behandlungsweise“40 der Wissenschaften, wobei er besonders David Friedrich Strauß’ Forschun- gen zur historischen Person Jesus von Nazareth und dessen Nachfolgern im Blick hatte.41 Vor allem sah er im Rationalismus und einer Abkehr von historischer Überlieferung und göttlichem Ursprung der Menschheit sowie deren prägenden Institutionen den zentralen Fehler der protestan- tischen Wissenschaften und forderte für die katholischen Wissenschaftler eben eine bewusste Abgrenzung von diesen Tendenzen. Andere Gelehrte, wie der Bayer Jakob Frohschammer, dessen Ansichten in Tirol zum Bei- spiel von Tobias Wildauer rezipiert wurden, waren deutlich liberaler und forderten eine Unabhängigkeit von den Dogmen und der päpstlichen Auto- rität bei gleichzeitigem Bekenntnis zur katholischen Religion. Die Debatte hinsichtlich der Innsbrucker Universität orientierte sich jedoch deutlich an den strengeren Vorstellungen ultramontaner Kreise, auch die Übertragung der theologischen Fakultät an die Jesuiten und deren Orientierung an einer neuscholastischen Theologie und deren strenge Romtreue verdeutlichen das. Die Jesuiten selbst hatten mit der ratio studiorum ein klares katholisches Bildungsprogramm, das sie mit Thuns Förderung in den 1850er-Jahren in aktualisierter und angepasster Form auch in Österreich wieder lehren konn- ten. Die Debatte zur Gründung einer katholischen Universität in Tirol ver- deutlicht überdies das Mobilisierungspotential der Kirche und der erstar- kenden katholischen Laiengruppen, die sich massiv für die Errichtung einer katholischen Universität in Tirol engagierten. Die Debatte verweist somit 39 Die Neugestaltung der österreichischen Universitäten über Allerhöchsten Befehl darge- stellt von dem k.k. Ministerium für Kultus und Unterricht, S. 22. 40 George PHiLLiPs, Über den Geschichtsunterricht, in: Historisch-politische Blätter für das katholische Deutschland (1851), S. 1–20, hier S. 7. 41 Ebenda.
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Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860 Aufbruch in eine neue Zeit
Title
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Subtitle
Aufbruch in eine neue Zeit
Author
Christof Aichner
Publisher
Böhlau Verlag
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20847-1
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
512
Keywords
University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
Categories
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