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9 SCHLUSS 451
gelten. Allerdings bestand der größte Modernisierungsschub in der Schaf-
fung neuer Universitätsstrukturen und einer Neuorganisation des Bildungs-
systems, beides waren Errungenschaften der Revolution. Dass die Reformen
jedoch nicht zurückgenommen wurden und weitgehend während des Neo-
absolutismus’ mit Leben gefüllt wurden, lässt eine solche Deutung auch zu.
So verliefen nun Modernisierung und Thuns Versuch einer konservativen
Umerziehung der Studenten parallel, was zu Widersprüchen führen musste,
die letztlich kennzeichnend sind für die ganze Reformära. So wie Thun den
Grundstein für einen allgemeinen Aufschwung der Universität legte, so
bildeten die Reformen gleichzeitig auch den Ausgangspunkt für zahlreiche
Konflikte in den kommenden Jahrzehnten.
Nicht nur durch diese Konflikte wirkten die Reformen lange nach, die Re-
formen selbst prägten überdies für mehr als ein Jahrhundert maßgeblich
die österreichische Universitätslandschaft und wie deutlich geworden ist,
bestimmen sie auch heute noch bildungspolitische Debatten mit. Darüber hi-
naus sind viele damals diskutierte Fragen – etwa jene nach der allgemeinbil-
denden Funktion der Universitäten – heute so aktuell wie zu Zeiten Thuns.
So kann die Arbeit auch einen Beitrag zur historischen Verortung aktueller
Debatten liefern und vielleicht zum besseren Verständnis gegenwärtiger
Entwicklungen beitragen.
Die Arbeit an der Dissertation hat auch gezeigt, dass in vielen Bereichen
der österreichischen Universitätsgeschichte des 19. Jahrhunderts bereits
gute Grundlagen geschaffen sind. Dennoch gibt es noch viele lohnende Un-
tersuchungsfelder: So wäre eine vergleichende Untersuchung der Umset-
zung der Reformen an einzelnen Universitäten sicherlich aufschlussreich
und böte die Möglichkeit, die Entwicklungen der Innsbrucker Universität
noch stärker im gesamtstaatlichen Kontext zu verorten. Doch auch im Be-
reich der Universität Innsbruck mussten einige Fragen, die diese Epoche
betreffen, offenbleiben. Das betrifft beispielsweise ganz allgemein die Ge-
schichte der Universität im Vormärz. Denn so wie in der Historiografie zu
den Universitäten Preußens die Ablehnung der düsteren Zustände des 18.
Jahrhunderts lange als Kontrastschema für den Aufschwung und die Re-
formen nach 1800 in Deutschland herhalten mussten („all was darkness –
and then came Humboldt“70), so lässt sich das auch für die Abgrenzung vom
Vormärz für die Reformen in Österreich nach 1848 zumindest in Ansätzen
zeigen. Die Mängel des Studiensystems des Vormärzes dienten dabei als
greller Kontrast zur Darstellung des Aufschwunges bzw. auch zur Recht-
fertigung der Reformen. Allerdings ist gerade der Vormärz, besonders auch
für die Universitäten, eine vielfach wenig beforschte Epoche, und wie erst
70 JosePHson/karLsoHn/östLing, Introduction, S. 4.
Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
Aufbruch in eine neue Zeit
- Title
- Die Universität Innsbruck in der Ära der Thun-Hohenstein’schen Reformen 1848–1860
- Subtitle
- Aufbruch in eine neue Zeit
- Author
- Christof Aichner
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20847-1
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 512
- Keywords
- University of Innsbruck, University Reforms, Thun-Hohenstein, Leo, Universität Innsbruck, Reform, Universitätspolitik, Thun-Hohenstein
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen