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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Page - 132 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten

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harnten. dem Geburtsorte des Malers Defrcgger, mit seiner stattlichen, ncuerbauten Kirche. Von Dölsach führt der Weg, fowohl der Fußsteig als die Fahrstraße, an etlichen behäbigen Bauernhöfen vorüber, in mehrfachen Windnngen aufwärts, bis man endlich den Sattel des brcitrückigcn Isclsbcrgcs erreicht, den ein bescheidenes Kirchlcin, dem heiligen Schutzengel gewidmet, als den ersehnten Uebcrgangspunkt in's Möllthal bezeichnet. Von der Terrasse vor der Kirche genießt man einen umfassenden Ucbcrblick des Thalkessels von Licnz, der als eine der schönsten Land^ schaftcn des Pustcrthalcs gepriesen wird; und in der That, die Thnlflächc mit ihren unterschiedlichen Culturen, der von buschigen Auen nmfäumtc Fluß, der mitten durchzieht, die reich bebauten, mit zahlreichen Häuserbüscheln geschmückten Berglehnen der Sonnenseite, die nackten, wildzcrklüftcten Dolomite im Süden, die geheimnißvollen Perspektiven des sich westwärts verlaufenden Trau- und Isclthalcs und im Centrum die weißen Häuser der Stadt mit ihren Thürmen, überragt von dem stolzen Schlosse, sie geben ein großes wohlgeordnetes Bild, an dem man sich lange nicht satt sehen kann. Von der Schutzengclkirche weiter geht der Weg dnrch Wicsbodcn, am einsamen Gasthause zur Wacht vorbei, wo ein wcißruter Pfahl mit der entsprechenden Inschrifttafel die Grcuze zwischen Tirol uud Kärntcn bezeichnet. Unweit davon liegt das Bad Isclsbcrg, dessen ^uelleu in unmittelbarer Nähe entspringe» und zur Trink- und Badekur gebraucht werden; es hat eine Scchöhe von II68 Metern, die Rundsicht ist eine prachtvolle, wie man sie anf solcher Höhe kaum irgendwo anders findet. Gegen Mittag erheben die Hochfreiuug, der Hochstadl, die Wildentenspitze, der Viehkofcl, die Eandspitzc, die Lascrzc, der Simunskupf, der Ciscnschuß, die Gcmswiese, der Spitzkofcl :c. ihre Kalk- nnd Tolomit-Massen in allen denkbaren phantastischen Formen znm blauen Hünmclsdom empor; hoch über ihnen allen thront der Krcuzkofel, das Haupt der Gruppe, in wilder Abgeschiedenheit, während gegen Norden die cisbclastete Ccntralkcttc von den zirknitzcr Goldbergen über den Stell-, Sadnitz- und Leitcnkopf und den Contouren von Fragant hinaus den Blick fesseln und das Auge mit ihrer malerischen Abwechselung ergötzen. Hinter dem Bade fällt die Straße durch dunklen Fichtenwald mälig hinab zum ersten Dorfe im Möllthale, das sich bedentungsvoll Winklcrn nennt. Hier nemlich biegt sich das vom Norden kommende Thal der Moll fast unter einem rechten Winkel gegen Osten ab, der Ort selbst aber liegt noch ziemlich hoch über der Thalsohlc am Abhänge des Penzclbcrges, weshalb sich von allen Punkten zwischen den Häusern dnrch ein schöner Ausblick, sowohl thalauf als thalab darbietet. Das Möllthal prascntirt ganz den Charakter der Hochthäler des Taucrngcbietcs, einen freundlichen, einladenden breiten Eingang, hierauf allmäligc Verengung, endlich im Hintergründe eine wildschönc Schlucht mit senkrechten Wänden, lautlos hcrabschwebcnden Wasserfädcn, lärmenden Bächen, die aus dämincrigen Scitcngräben hervorstürmcn, brausenden Abstürzen des Thalbachcs von einer Stufe zur andern, bis hoch oben, wo die einander gegenüberstehenden Bcrghänge sozusagen eine Pforte bilden, sich mit einem Male eine andere Welt aufthut, die Region der Gletscher, des ewigen Eises, die ein geräumiges Becken erfüllt, gebildet von den höchsten Häuptern der Tanernkctte. Das Thal der Moll von Winklcrn gegen Hciligcnblut heißt auch Großkirchhcimcr-Thal, von der ehemaligen Herrschaft Großkirchhcim, die über diese Gegend die Gerichtsbarkeit ausübte. Es ist ein ernstes Hochthal mit schmaler Sohle, die von dem ungcbändigtcn Alpcnfluß stellenweise mit Schutt und Stcingcrölle überdeckt wurde, hie nnd da aber auch freundliche Culturen, Wiesen, Aecker und Auen zeigt, wie in Mörtschach, in Sagritz, Döllach und Putschal. In Düllach ist der Fall des Zirknitzbachcs nicht uninteressant, der über eine 150 Meter hohe Felswand hinabstürzt in einen grauenvollen Schlund; noch merkwürdiger ist aber die Zirknitzgrottc oder Höhle ebendaselbst, in welcher der Wildbach sich mit betäubeudcm Getöse durch ein Chaos von Felstrümmcrn Bahn bricht, um die nahe Moll zu erreichen. — Bevor wir Heiligcnbluts ansichtig werden, nehmen noch zwei imposante Wasserfalle unsere Aufmerk- samkeit in Anspruch: der Iungfernsprung nnd der vielgepriesene Möllfall am Zlap. Der erstere flattert gleich einem Silbcrbande in bewegter Luft vom Rande einer 170 Meter hohen senkrechten Felswand in die Tiefe nieder, wo sich sein Wasserstrahl, aufgelöst in lauter Thauperlcn, unter den üppigen Gräsern und bunten Blumen einer Wiese verliert. Der zweite ist ein mächtiger Etnrzbach, indem die Moll von der höher gelegenen Thalstufe um Heiligcnblut
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Title
Unser Vaterland
Subtitle
Steiermark und Kärnten
Authors
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Publisher
Gebrüder Kröner
Location
Stuttgart
Date
1877
Language
German
License
PD
Size
28.1 x 42.23 cm
Pages
344
Keywords
Wandern
Categories
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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