Page - 197 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Das Rosenthal,
auch wol der das Himmclsprotokoll führende Wetterprophet mit Breithut, Blitzmantcl und Wcidcnstab einsammelnd
auftritt, wissen die zurückgezogeneren Bergbewohner von den gänscfüßigcn Sibyllen aus den Berghöhlcn jenseits der
Kirche und den Edclmctallgrubcn von Echlattcn zii erzählen.
Einen herrlichen Ausblick in das Rosenthal namentlich unterhalb des Turiawaldcs hin bietet der Kirchhügcl
von St. Jakob. Das ist der Wundcrbau vou des Himmels Bläue herunter bis an die graugrüne Erlcnau lind
die Flußdüne, den das Lied und die Farbe so oft gefeiert haben; zum Lobe der Heimischen —
Iü jenen aucnreichen Niederungen,
Bewohnend das Gehöfte, stattlichfrei,
Zu ihrcin Preise ist manch Lied erklungen
Von überschwänglich snsier Schwärmerei.
Die Sicdclstättcn weitab halten fich mehr ferne den abbröckelnden Borden; das böse granwirbligc Wasser
schwillt unversehens an und braust, wie dazumal, als des Thcophrast Paracclsus Leibdicner den Goldtrank der ewigen
Jugend in seine Tiefen warf. In seinen ruhigen Tagen führt der Strom vielgesuchte Schwärme von Alten,
Barben, Bratschen, Hechten, Naßfischen, Rutten, Weißfischen, den feinschmeckendcn Huchen und einzelne Forellen.
Das Etcingcröllc um Maria-Elend aber wird dem von Obcritalicn bis Ungarn wirksamen Erdbeben von 1348
zugeschrieben. Die vielbesuchte Wallfahrtskirche, ein gothisch angelegter Bau vermutlich des vierzehnten Jahrhunderts
mit Einbauten und Altären des siebzehnten, hat ihre Wundcrfiliale oben auf der Vcrgstufc nächst dem berühmten
Angcnwasscr. Die gurkcr Gräfin Hemma, von der Wanderung ermüdet, schlief, ihrer erwarteten Sprossen lcidvollcs
Ende nimmer vorahnend, im Thalboden, bevor sie die Kapelle erreichte, ein; da trugen Engel den noch fernen Bau
herunter und dem Gelübde war entsprochen. Der Teufel aber, selber sonst in listigen Lösuugen bewandert, schmollte
der guten That, griff ins Gebirg und schleuderte den sieghaft tragenden Genien die groben Felsklötzc zn. An der
Gräfin Traumstclle aber erhub sich nachmals die Thalkirche. Kommen wir denn nächst den Kalkucrsteincrungen zum
Eingang in den Matschachgraben und bei Fcistritz zu den Pforten des wildromantischen Bärenthals. Gin schluchten-
rcicher, ganz herrliche Alpenbilder bergender Hochgebirgsgraben, der stundenweit zurückgreift bis zn den kahlen, bleichen
Felscnwändcn, der Koschna, des Weinasch und Etou, den über 2000 Meter hohen Grenzwächtern des Krainerlandcs,
auf deren Kulmen schon der schmale Gcmsanftritt den Boden bröckeln macht, bis Steinchcn rieselnd in die cdclwciß-
umflurte Scharte gleiten, da und dort einen Bruchblock bcrenncn und beschleunigten Sturzes ein wüstes Geröll durch
die weite Schutthalde mit grausem Donncrkrach ins Legföhrcndunkel und Almrosenbuschwcrk reißen. Durch dies
Qucrthal bis zum Vcrtatscha-Sattel und den Stou-Abstürzcn gegen die jenseitige Karner-Vcllach, — wo die Welt
so recht buchstäblich mit Brettern verschlagen scheint und meistens nur der einsame Pflanzcnsammlcr seiner eignen
Ranunkclart oder der Thierfreund dem seltensten Käfer Kärntcns, dem ?t6i'08tioliu8 Miui^LnniZ, nachgeht, nnd
wcltvcrlasscn die Kohlhütte zum Kanauz unter der „breiten Riese" kauerte, — drangen im September 1813 die
Franzosen, den Kotschnasattcl übersteigend, zalrcich gegen Feistritz, das gräflich gavasinischc Schloß nnd die Kreuz-
kapellc vor, überwanden die Verhaue, brachten die östreichischen Batterien zum Schweigen, steckten das Schloß in Brand
und boten alles um den Gewinn der hollcnburger Brücke auf. Die östreichischen Grenadiere, welche bei Hundsdorf
Stand hielten, waren frisch von der Parade weg ans Klagenfurt ins Feuer geschickt worden; sie hatten eben den
Sieg bei Kulm mit Frcudcnschüsscn begangen.
Ueber den historischen Grcnzstrich zwischen dem französischen Königreich Illyricn, zwischen dem Ober- und
Unterroscnthal, treten wir in die sanften Auen um Schloß Ebcnau, vormals dem Stifte Victring gehörig. Der
brcitgcstaltete, düstcrbcwaldetc Eingerberg ist die Stätte jenes Hochalpen-Idylls, in welchem Hans von Hubmcrshofen
und seine osmanische Braut trotz Vatergrolls sich ein liebesclig Daheim gründeten, vom Thalvolkc als die „heiligen
Eheleutc" gesegnet. Dies stille Paar zält zu den Ahnen des Dichters Tschabuschnigg.
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918