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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Das Rosenthal, auch wol der das Himmclsprotokoll führende Wetterprophet mit Breithut, Blitzmantcl und Wcidcnstab einsammelnd auftritt, wissen die zurückgezogeneren Bergbewohner von den gänscfüßigcn Sibyllen aus den Berghöhlcn jenseits der Kirche und den Edclmctallgrubcn von Echlattcn zii erzählen. Einen herrlichen Ausblick in das Rosenthal namentlich unterhalb des Turiawaldcs hin bietet der Kirchhügcl von St. Jakob. Das ist der Wundcrbau vou des Himmels Bläue herunter bis an die graugrüne Erlcnau lind die Flußdüne, den das Lied und die Farbe so oft gefeiert haben; zum Lobe der Heimischen — Iü jenen aucnreichen Niederungen, Bewohnend das Gehöfte, stattlichfrei, Zu ihrcin Preise ist manch Lied erklungen Von überschwänglich snsier Schwärmerei. Die Sicdclstättcn weitab halten fich mehr ferne den abbröckelnden Borden; das böse granwirbligc Wasser schwillt unversehens an und braust, wie dazumal, als des Thcophrast Paracclsus Leibdicner den Goldtrank der ewigen Jugend in seine Tiefen warf. In seinen ruhigen Tagen führt der Strom vielgesuchte Schwärme von Alten, Barben, Bratschen, Hechten, Naßfischen, Rutten, Weißfischen, den feinschmeckendcn Huchen und einzelne Forellen. Das Etcingcröllc um Maria-Elend aber wird dem von Obcritalicn bis Ungarn wirksamen Erdbeben von 1348 zugeschrieben. Die vielbesuchte Wallfahrtskirche, ein gothisch angelegter Bau vermutlich des vierzehnten Jahrhunderts mit Einbauten und Altären des siebzehnten, hat ihre Wundcrfiliale oben auf der Vcrgstufc nächst dem berühmten Angcnwasscr. Die gurkcr Gräfin Hemma, von der Wanderung ermüdet, schlief, ihrer erwarteten Sprossen lcidvollcs Ende nimmer vorahnend, im Thalboden, bevor sie die Kapelle erreichte, ein; da trugen Engel den noch fernen Bau herunter und dem Gelübde war entsprochen. Der Teufel aber, selber sonst in listigen Lösuugen bewandert, schmollte der guten That, griff ins Gebirg und schleuderte den sieghaft tragenden Genien die groben Felsklötzc zn. An der Gräfin Traumstclle aber erhub sich nachmals die Thalkirche. Kommen wir denn nächst den Kalkucrsteincrungen zum Eingang in den Matschachgraben und bei Fcistritz zu den Pforten des wildromantischen Bärenthals. Gin schluchten- rcicher, ganz herrliche Alpenbilder bergender Hochgebirgsgraben, der stundenweit zurückgreift bis zn den kahlen, bleichen Felscnwändcn, der Koschna, des Weinasch und Etou, den über 2000 Meter hohen Grenzwächtern des Krainerlandcs, auf deren Kulmen schon der schmale Gcmsanftritt den Boden bröckeln macht, bis Steinchcn rieselnd in die cdclwciß- umflurte Scharte gleiten, da und dort einen Bruchblock bcrenncn und beschleunigten Sturzes ein wüstes Geröll durch die weite Schutthalde mit grausem Donncrkrach ins Legföhrcndunkel und Almrosenbuschwcrk reißen. Durch dies Qucrthal bis zum Vcrtatscha-Sattel und den Stou-Abstürzcn gegen die jenseitige Karner-Vcllach, — wo die Welt so recht buchstäblich mit Brettern verschlagen scheint und meistens nur der einsame Pflanzcnsammlcr seiner eignen Ranunkclart oder der Thierfreund dem seltensten Käfer Kärntcns, dem ?t6i'08tioliu8 Miui^LnniZ, nachgeht, nnd wcltvcrlasscn die Kohlhütte zum Kanauz unter der „breiten Riese" kauerte, — drangen im September 1813 die Franzosen, den Kotschnasattcl übersteigend, zalrcich gegen Feistritz, das gräflich gavasinischc Schloß nnd die Kreuz- kapellc vor, überwanden die Verhaue, brachten die östreichischen Batterien zum Schweigen, steckten das Schloß in Brand und boten alles um den Gewinn der hollcnburger Brücke auf. Die östreichischen Grenadiere, welche bei Hundsdorf Stand hielten, waren frisch von der Parade weg ans Klagenfurt ins Feuer geschickt worden; sie hatten eben den Sieg bei Kulm mit Frcudcnschüsscn begangen. Ueber den historischen Grcnzstrich zwischen dem französischen Königreich Illyricn, zwischen dem Ober- und Unterroscnthal, treten wir in die sanften Auen um Schloß Ebcnau, vormals dem Stifte Victring gehörig. Der brcitgcstaltete, düstcrbcwaldetc Eingerberg ist die Stätte jenes Hochalpen-Idylls, in welchem Hans von Hubmcrshofen und seine osmanische Braut trotz Vatergrolls sich ein liebesclig Daheim gründeten, vom Thalvolkc als die „heiligen Eheleutc" gesegnet. Dies stille Paar zält zu den Ahnen des Dichters Tschabuschnigg. 50'
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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