Page - 207 - in Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Das Glanthal. 20?
ring, wie wcitgcdchnt, der gothische Thorbogen, ein späteröffneter Eingang, der untere Bergfried, an neunzehn Meter
hoch, noch überragt von einem zweiten, allerdings schlankeren Leibes, aber den Kopf noch höher tragend, und innerhalb
dieses dachlosen, oft durchhagclten Gefüges aus grauen Hausteinen dennoch Farbwandrcstc wie zu Nußbcrg. Auf-
gerichtet von den Liebenbergcrn, „dem frumbcn, edln, guctn Geschlacht, vertriben wider Got auss dem lannd von
eins todslag wegnn" und von den Schenken an den bürgerlichen Gleismüller zu St. Veit versetzt, ward die Vcstc
als ein ächtes und rechtes Raubnest mit hunnischer Umzahnung von den Ungarn unter dem zähen Echwuski (1484
bis 1490) festgehalten und ausgenützt zum Leid und Schreck des ganzen Glanthals. Auf Licbenfels spielt auch die
zauberhafte Sage: Der Schloßherr, noch lange seiner Gattin Heimgang betrauernd und im Herzen ganz seinen zweien
Knäblein ergeben, wacht in schwerer Mittnacht; da erschallt des Thürmcrs Hornruf, er schaut uach den Söhnen; sie
schlummern friedvoll; ein zweiter Hornruf, er bescheidet die Söhne herüber, sie vernahmen nichts und kehren ins
Pfühl zurück; ein dritter Schall, er zieht die Knäblcin mit Gewalt in feine Kemenate nnd kaum, daß er vom
Geistcrruf ihnen erzält, bricht ihrer Schlafstube Decke rasselnd und prasselnd ein, und durchschlägt Diele und Boden.
Aber die Lieben sind gerettet, die Liebe rief sie.
Am rechten Glanufer reckt aus schwarzgrüncm Fichtenwald das ehrengcnannte Karlsbcrg seinen hohen, theils
ausgezackten und abgebrochenen Faulthurm hoch in die Lüfte empor, herabschaucnd über ausgeholzte Waldhügcl in die
Heuschwaden des wolgepflcgten Wiesbadens, benachbart den von der andern Wasscrseite herabwinkenden gelblichen Hof-
reihen von Pulst und den stattlichen Schoppen von Fciftritz. Gen Ost reicht die Sicht auf den hochgcgiebelten
Magdalcnsberg; wo aber, nächst dem Markzcichen des Ulrichsbcrges, der Vorderwald gegen den Hardecker-Thurm sich
absenkt, da blicken in feinen Linien die Karawanken und julischcn Alpen dämmernd ins schmale Thal herein.
„Karlsberg" mag nach den karolingischen Hofgütern um Karn- und Moosburg klingen; einem höchst alten und stets
vorangestellten Edclgeschlcchte hat es sicher angehört, das Marschallamt, die Aufgcbotssammlung, die Geleitsverleihung,
ja das Hochverrats-Gericht stand bei dieser Burg. Selbst der Heunburger Sturz ward dem auf Karlsbcrg gebietenden
Kunrad Auffensteiner zu erleben nnd zu beschleunigen vergönnt. Der krainische Ritter von Schärffenberg übergab dem
Sieger sterbend den zauberischen Ring der Treue, ihm von der Naldfrau im Goldberge gespendet; auch mit dem
Tudtenrittcr wußte ihn die Volkssage im Bunde. Der Thurm, der jetzt halbgcborstcn sich noch hoch aufstellt, ist ein
Theil seiner zalreichen Neubauten; dort leuchten nächtlicher Weile Schätze auf und zauberhafte Treppen locken den
Hirten in luftige Höhen, in klingende Tiefen, um mit der Schrcckerscheinung des schwarzen Höllkatcrs zu schließen.
Unter dem Zeichen des Auff sammelten sich die Habsburgischen Parteigänger 1335, und nicht wenig trug deren kluge
Einsicht zur günstigen Einführung der neuen Landesherren bei. Wie anders das Geschick dieses Kraftmalcs nach
fünfzig Jahren! Da ist die Revolte der in ihrem Ehrgeize gekränkten Aussensteiner — sie aspirierten in die Wette
mit den Kraigern das oberste Landesamt — durch die Einnahme Blciburgs niedergeschlagen; von den ganz besitzlos
Gefangenen ist der eine im Zwinger zu Strechau gestorben, der andre tritt nach achtundzwanzig Kerkerjahren in
die Freiheit, gedämpft, wcltabgcwandt, zu nichts Muthigem mehr tauglich, um als stiller Domherr zu Rcgcnsburg
zu enden. Später gehörte das mit Hakebussen und Karthauncn wol ausgerüstete Waldcastcll in den Reigen der
Khevenhillcr'schcn Besitze mit Osterwitz (1586), seit den Windischgrätzcrn endlich und den Goös ist die neuere Zeit
über dasselbe hereingebrochen.
Nächst Zweikirchcn, wo man uralte Vronzcgcräte aufgrub, und der Bergwacht Hardcck, einer gleich Stein
im Lavantthal thurmlos gebauten Burg, in den theils wasscrständigen Auen erhallten nicht immer wie jetzo die
zuversichtlichen Lieder. Denn vor vielen hundert Jahren hausetcn hier die wilden Schlangen und zu ihrer Ver-
wünschung und Verbannung hatte sich ein wälschcr Jüngling Namens Fridclo angeboten; er wolle es dann leisten,
wenn nur gewiß die weiße mit dem „Kranl" nicht darunter sei. Deß versichert, begann er bei anfgcrichtetcm
Reisigfeucr seine Rufe nnd Pfiffe und Beschwörungen, so daß von allen Seiten das Gezücht hcrbcikrabbelte und
sich heranschnellte dnrch die Lüfte. Aber endlich ersah er auch die weiße Schlaugenkönigin von Weitem dahcrwandcln;
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Unser Vaterland
Steiermark und Kärnten
- Title
- Unser Vaterland
- Subtitle
- Steiermark und Kärnten
- Authors
- Peter.K. Rosegger
- Fritz Pichler
- A. von Rauschenfels
- Publisher
- Gebrüder Kröner
- Location
- Stuttgart
- Date
- 1877
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 28.1 x 42.23 cm
- Pages
- 344
- Keywords
- Wandern
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918