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Unser Vaterland - Steiermark und Kärnten
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Das Glanthal. 20? ring, wie wcitgcdchnt, der gothische Thorbogen, ein späteröffneter Eingang, der untere Bergfried, an neunzehn Meter hoch, noch überragt von einem zweiten, allerdings schlankeren Leibes, aber den Kopf noch höher tragend, und innerhalb dieses dachlosen, oft durchhagclten Gefüges aus grauen Hausteinen dennoch Farbwandrcstc wie zu Nußbcrg. Auf- gerichtet von den Liebenbergcrn, „dem frumbcn, edln, guctn Geschlacht, vertriben wider Got auss dem lannd von eins todslag wegnn" und von den Schenken an den bürgerlichen Gleismüller zu St. Veit versetzt, ward die Vcstc als ein ächtes und rechtes Raubnest mit hunnischer Umzahnung von den Ungarn unter dem zähen Echwuski (1484 bis 1490) festgehalten und ausgenützt zum Leid und Schreck des ganzen Glanthals. Auf Licbenfels spielt auch die zauberhafte Sage: Der Schloßherr, noch lange seiner Gattin Heimgang betrauernd und im Herzen ganz seinen zweien Knäblein ergeben, wacht in schwerer Mittnacht; da erschallt des Thürmcrs Hornruf, er schaut uach den Söhnen; sie schlummern friedvoll; ein zweiter Hornruf, er bescheidet die Söhne herüber, sie vernahmen nichts und kehren ins Pfühl zurück; ein dritter Schall, er zieht die Knäblcin mit Gewalt in feine Kemenate nnd kaum, daß er vom Geistcrruf ihnen erzält, bricht ihrer Schlafstube Decke rasselnd und prasselnd ein, und durchschlägt Diele und Boden. Aber die Lieben sind gerettet, die Liebe rief sie. Am rechten Glanufer reckt aus schwarzgrüncm Fichtenwald das ehrengcnannte Karlsbcrg seinen hohen, theils ausgezackten und abgebrochenen Faulthurm hoch in die Lüfte empor, herabschaucnd über ausgeholzte Waldhügcl in die Heuschwaden des wolgepflcgten Wiesbadens, benachbart den von der andern Wasscrseite herabwinkenden gelblichen Hof- reihen von Pulst und den stattlichen Schoppen von Fciftritz. Gen Ost reicht die Sicht auf den hochgcgiebelten Magdalcnsberg; wo aber, nächst dem Markzcichen des Ulrichsbcrges, der Vorderwald gegen den Hardecker-Thurm sich absenkt, da blicken in feinen Linien die Karawanken und julischcn Alpen dämmernd ins schmale Thal herein. „Karlsberg" mag nach den karolingischen Hofgütern um Karn- und Moosburg klingen; einem höchst alten und stets vorangestellten Edclgeschlcchte hat es sicher angehört, das Marschallamt, die Aufgcbotssammlung, die Geleitsverleihung, ja das Hochverrats-Gericht stand bei dieser Burg. Selbst der Heunburger Sturz ward dem auf Karlsbcrg gebietenden Kunrad Auffensteiner zu erleben nnd zu beschleunigen vergönnt. Der krainische Ritter von Schärffenberg übergab dem Sieger sterbend den zauberischen Ring der Treue, ihm von der Naldfrau im Goldberge gespendet; auch mit dem Tudtenrittcr wußte ihn die Volkssage im Bunde. Der Thurm, der jetzt halbgcborstcn sich noch hoch aufstellt, ist ein Theil seiner zalreichen Neubauten; dort leuchten nächtlicher Weile Schätze auf und zauberhafte Treppen locken den Hirten in luftige Höhen, in klingende Tiefen, um mit der Schrcckerscheinung des schwarzen Höllkatcrs zu schließen. Unter dem Zeichen des Auff sammelten sich die Habsburgischen Parteigänger 1335, und nicht wenig trug deren kluge Einsicht zur günstigen Einführung der neuen Landesherren bei. Wie anders das Geschick dieses Kraftmalcs nach fünfzig Jahren! Da ist die Revolte der in ihrem Ehrgeize gekränkten Aussensteiner — sie aspirierten in die Wette mit den Kraigern das oberste Landesamt — durch die Einnahme Blciburgs niedergeschlagen; von den ganz besitzlos Gefangenen ist der eine im Zwinger zu Strechau gestorben, der andre tritt nach achtundzwanzig Kerkerjahren in die Freiheit, gedämpft, wcltabgcwandt, zu nichts Muthigem mehr tauglich, um als stiller Domherr zu Rcgcnsburg zu enden. Später gehörte das mit Hakebussen und Karthauncn wol ausgerüstete Waldcastcll in den Reigen der Khevenhillcr'schcn Besitze mit Osterwitz (1586), seit den Windischgrätzcrn endlich und den Goös ist die neuere Zeit über dasselbe hereingebrochen. Nächst Zweikirchcn, wo man uralte Vronzcgcräte aufgrub, und der Bergwacht Hardcck, einer gleich Stein im Lavantthal thurmlos gebauten Burg, in den theils wasscrständigen Auen erhallten nicht immer wie jetzo die zuversichtlichen Lieder. Denn vor vielen hundert Jahren hausetcn hier die wilden Schlangen und zu ihrer Ver- wünschung und Verbannung hatte sich ein wälschcr Jüngling Namens Fridclo angeboten; er wolle es dann leisten, wenn nur gewiß die weiße mit dem „Kranl" nicht darunter sei. Deß versichert, begann er bei anfgcrichtetcm Reisigfeucr seine Rufe nnd Pfiffe und Beschwörungen, so daß von allen Seiten das Gezücht hcrbcikrabbelte und sich heranschnellte dnrch die Lüfte. Aber endlich ersah er auch die weiße Schlaugenkönigin von Weitem dahcrwandcln;
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Unser Vaterland Steiermark und Kärnten
Titel
Unser Vaterland
Untertitel
Steiermark und Kärnten
Autoren
Peter.K. Rosegger
Fritz Pichler
A. von Rauschenfels
Verlag
Gebrüder Kröner
Ort
Stuttgart
Datum
1877
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
28.1 x 42.23 cm
Seiten
344
Schlagwörter
Wandern
Kategorien
Geographie, Land und Leute
Geschichte Vor 1918
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